5 Grundlagen Improvisation – BellyDance Geek

Ich hab auf der Bellyscience-Facebookseite neulich den Hörbeitrag „5 Foundations of Improvisation“ vom Bellydance Geek geteilt. Hier die Zusammenfassung für alle, die gesprochenes Fachenglisch nicht so gut verstehen:

1. Die Fähigkeit, Bewegungen abzurufen

Hier geht es um die „mir fällt nichts mehr ein“-Panik während  eines Impro-Auftrittes. Hierzu hat Nadira Jamal zwei grundlegende Tipps:

– Freunde dich mit deinen Lieblingsbewegungen an. Die Bewegungen, die dir als erstes einfallen, die man beiseite drängt, um sich nicht ständig zu wiederholen… Identifiziere sie und probiere, sie auf möglichst viele Arten zu variieren, sorge dafür, dass sie großartig an dir aussehen. Da sie dir als erstes Einfallen, mach sie dir zu deinem sicheren Hafen, durch die Variationen kannst du sie länger tanzen, bis der „Hilfe, was jetzt?!“-Moment vorüber ist.

– Organisiere deinen Bewegungsfundus in Kategorien, z. B. anhand einer Mindmap, z. B. nach Bewegungsform (Kreise, Akzente, Brustkorb/Becken, Schritte… in ATS: Hip Bump-Familie, Arabic-Familie…) oder nach Bewegungsqualität (=Musikinterpretation!) (knackig, erdig, elegant, aufwärts/abwärts, zitternd, geschmeidig, Unterwasser-Qualität)

 

2. Struktur

„Gib deinem Publikum die Möglichkeit, dem Weg deiner Gedanken zu folgen.“ Mit zu viel Bewegungsinhalt (Layerings, immer sofort Variationen und Abwechselung, ständig neue Ausrichtungen) kann man das Publikum überfordern. Da hilft Wiederholung, der jedoch die Angst, sich zu viel zu wiederholen gegenüber steht. Nadira empfiehlt die altbekannte „Regel der 4“: Beim ersten Mal ist das Publikum überrascht, beim dritten Mal fängt es an, sie zu erkennen und erst beim vierten Mal verstehen sie, was vor sich geht.

Diese Angst vor Langeweile – man selbst kennt die Bewegungen in- und auswendig, doch für das Publikum sind sie neu – die Unsicherheit wie viel Wiederholung hilfreich und wie viel schon langweilig ist: Nadira empfiehlt, die eigene Langeweile-Empfindungs-Schwelle durch eine Übung herauf zu trainieren. Man tanze eine Bewegung, bis man sie als langweilig empfinde, dann noch 2 Mal. Diese zusätzlichen Male kann man anfangen zu variieren.

Thema und Variation: wiederhole Bewegungskombinatinen, variiere Anfang und Ende, Akzente, Raumausrichtung, die Richtung der Bewegung – ähnlich Strophe und Refrain in einem Lied. Ein Thema immer wieder auftauchen zu lassen, bietet dem Publikum die Sicherheit und Ruhe von etwas Bekanntem, es erneuert die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit der Zuschauer. Variationen sorgen für Abwechselung, dafür, dass es gleichzeitig interessant bleibt.  „Stelle sicher, dass der rote Faden erhalten bleibt“

3. Transitions: Übergänge

Mach dir zunächst die Grundpositionen des Körpers (Füße/Gewicht/Raumausrichtung) bewusst. Letztlich beginnen und enden die meisten Bewegungen in wenigen typischen Grundpositionen: Gewicht auf einem Bein mit flachem Fuß, der andere Fuß auf dem Ballen unbelastet angestellt oder seitlich gestreckt aufgestellt sind zwei solcher Positionen. Ermittle deine Grundpositionen und übe konzentriert die Übergänge zwischen diesen: direkter Weg, ausgeschmückt, mit einer Drehung dazwischen, in verschiedenen Tempos.

„Übergänge helfen dir, während des Moments Entscheidungen zu treffen“: Wohin geht es weiter, was sind End- und Startpunkte einer Bewegungsphrase, welche Optionen habe ich aus einer meiner Grundpositionen heraus? Mach dir eine Liste, welche Bewegungen du aus welcher Grundposition heraus machen kannst, zunächst deine Lieblings- und Sicherer-Hafen-Moves. Dann spiel Ampel: grünes Licht/rotes Licht – plötzlicher Stopp und weiter tanzen aus der eingenommenen Position.

4. Dimension, Textur, Bewegungsqualitäten

Bewegungsqualitäten im Sinne von Laban oder nach eigenen Begriffen sowie der Umgang mit Rhytmus und Geschwindigkeit der Musik fasst Nadira hierin zusammen.

Aufgabe: Spiel mit dem Timing, das die Musik vorgibt. Sei mal gleichmäßig mit dem Puls, dann spiele mit den Taktschlägen. Beispielsweise statt medium-medium-medium-medium kann man aus einem 4/4-Takt auch medium-medium-langsam-schnell machen. Oder extraschnell- extraschnell-laaaaaaangsam. Welche Bewegungen eignen sich für solche Geschwindigkeitswechsel? Ein Beispiel von ihr: auf Chiftetelli nutze sie gerne Bewegungen im Geschwindikeitsmuster von langsam-langsam-schnell-schnell-langsam.

Aufgabe: sortiere dein Bewegungsrepertoire nach Qualitäten und Intentionen, finde eigene Kategorien dafür. Sie nennt als Beispiel ihre eigenen: gooey, bouncy, earthy, bold, locked, sharp… Solche Begriffe haben den Vorteil, dass sie sich 1:1 individuell empfundenen musikalischen Qualitäten zuordnen lassen – sei es spiegelnd oder kontrastierend. Die gefundenen Kategorien können so zur Hilfe beim finden der passenden Bewegung beim Improvisieren werden – wenn man zu solch analytischer Denkweise neigt, was bei mir der Fall ist.

5. Musikalität

Was hörst du und wie vermittelst du das deinem Publikum? Tips: Selektives hören (Instrument, Rhythmus/Puls, Melodie, Gesang) – Aber: übertreib es nicht beim austanzen – „you are a dancer, not a puppet“, also nicht 1:1 das Gehörte nachtanzen, sondern selektiv dazu tanzen. Spiel mit dem 1:1 umsetzen, such dir Akzente oder Melodiesegmente aus und ignoriere andere, triff Akzente oder schaff dir eigene, mach mal Pause und werde dann wieder aktiver – „surf the music!“ und „widerstehe der Versuchung, alle Komponenten der Musik die ganze Zeit über austanzen zu wollen.

Aufgabe: such dir Musik und folge mal der einen, mal der anderen Komponente, spiel mit der Musik wie beschrieben.

Aufgabe: nimm dir wieder ein Musikstück, wähle die Schlaginstrumente und wenige Melodieinstrumente und beschreibe deren Qualität in Metaphern. Welche Bewegungen passen zu den gefundenen Bildern? Tanze diese erst ohne Musik, dann mit.

Den originalen Hörbeitrag findet ihr hier

 

 

 

 

 

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
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