Auf zur Tanzolympiade: „Wir wollen uns messen“

Drei sehr junge Schülerinnen von Delanna bitten um Hilfe:

Die Spendenaktion findet ihr hier: www.visionbakery.com/tanzolympiade

 

Kinder und Bauchtanz – Bauchtanz ist ein sehr weiblicher Tanz, ein Tanz für erwachsene Frauen, voll Sinnlichkeit und Individualität, je nach Temperament und Gelegenheit die volle Palette des Lebens abbildend. Ich war immer der Meinung, dass bauchtanzende Kinder zwar die Bewegungen nachahmen, aber nicht komplett in ihrer Bedeutung verstehen können. Der Meinung bin ich zwar immer noch, aber Delanna hat es wieder geschafft, mir die Augen zu öffnen: Kinder bauchtanzen anders als Jugendliche tanzen anders als junge Erwachsene tanzen anders als junge Mütter tanzen anders als mehrfache Mütter tanzen anders als Frauen, die diese Aufregung erfolgreich hinter sich gebracht haben, tanzen anders als betagte Frauen. Jede Lebensphase hat ihre Qualitäten und Erfahrungen, ihre Vorzüge und Nachteile – aber ist eine davon daher schlechter oder besser und sollte man Frauen (oder Männern!) nur aufgrund ihres Alters oder ihrer Lebensphase das Bauchtanzen verwehren?

Viele Frauen lieben den Bauchtanz, weil er ihnen die Erlaubnis gibt, sich mit ihrem Körper zu beschäftigen, sich zu finden und dadurch Selbstbewusstsein aufzubauen. Na, das haben drei Mädels definitiv, wie ich bei einem Gespräch mit ihnen, ihren Müttern und Delanna feststellen durfte.

Aliah (9) und Erika (9) tanzen als Duo, sie und ihre Mütter kennen sich seit der Krabbelgruppe. Später nahmen ihre Mütter Aygyul und Kristina sie zum eigenen abendlichen Bauchtanzkurs mit, damit die Kleinen nicht alleine zuhause blieben. Die Mädchen schauten erst zu, fingen dann selber an zu tanzen, wollten mehr. Kurs und bitte auch Auftritte als Duo: „Wir wollen zusammen tanzen!“ sagt Erika klipp und klar.

 

Auch Evelins Mutter Elena ist selber bauchtanzbegeistert und hatte bis zur Schwangerschaft lange Zeit Unterricht. Eines Tages hatte Klein-Evelin die alten Videokassetten und CDs entdeckt und angefangen, zuhause herum zu tanzen. „Sie zeigte richtig Lust zu tanzen.“ sagt Elena. Also ab zu Delanna, zunächst im Privatunterricht, bis die Lehrerin überzeugt war, einen Kinderbauchtanzkurs einzurichten. Aber: „Ich merkte, ihr war das zu wenig mit der Gruppe“. Mittlerweile macht Evelin zweimal pro Woche beim Kurs mit und hat zusätzlich eine Privatstunde. Was sie am Bauchtanz am Meisten mag? „Neue Bewegungen zu lernen!“ Und an Auftritten oder der Teilnahme an Wettbewerben? „Die Stimmung und wie das alles da abläuft.“

Ähnlich bei Erika und Aliah – aber 3 Stunden Unterricht pro Woche ist für die bauchtanz-närrischen Mädels anscheinend lange nicht genug. Neulich hätten die Mädchen je 2 Stunden Unterricht am Vormittag gehabt – jeweils Technik alleine und dann eine Stunde gemeinsam. Am Nachmittag trafen sich die Freundinnen – natürlich zum tanzen! Die Mütter staunen: „Aber ihr habt heute schon trainiert“ – „Ja aber wir wollen das!“ tönten die Mädchen dagegen. Die drei dachten sich einen kleinen Tanz aus und zeigten ihn den herbeigerufenen Eltern, „die haben einen coolen Tanz vorgeführt, super gemacht!“

Kids 3

Eine andere Welt

Ich staune – was mir Mädchen und Mütter erzählen, erinnert eher an Szenarien, wie man sie über Ballettschüler hört, die fast täglich und stundenlang trainieren. Völlig anders als das, was man landläufig im Bauchtanz oder gar Kinderbauchtanz vorfindet. Ich höre gleichzeitig Akzent bei den Müttern und frage mal in Erinnerung an die hervorragenden „Deutsch-Russinnen“, die ich in meinen Bauchtanzkursen beobachtet habe, mal nach: Elenas Vater war von Deutschland nach Kasachstan ausgewandert, sie und Kristina sind gebürtige Kasachen. Ayguyl ist Russin und mit einem Deutschen verheiratet. Schnelle Fragen untereinander oder Kommentare von Delanna werden kurz auf russisch ausgetauscht.

Ja, es ist eine andere Mentalität, bestätigen alle Vier: „Entweder du machst was oder nicht, keine halben Wege – und die Eltern zahlen dafür!“ (Ayguyl) und Elena stimmt zu: „Spaß muss sein, aber ich bin mit Disziplin aufgewachsen. Entweder ich mache etwas oder nicht. Wenn ich Zeit und Geld investiere, dann will ich dafür etwas bekommen.“ Deshalb hätten sie sich auch Delanna als Lehrerin ausgesucht, da stimmte die Mischung aus Spaß und Disziplin. Das sei aber nicht mit Zwang zu verwechseln: „Kinder amchen schon deutlich, wenn sie etwas nicht wollen oder keinen Bock mehr haben“ (Ayguyl).  Es gibt aber auch Tage, an denen die Kinder keine Lust haben, an denen die Mütter ans Training erinnern wie sonst an Hausaufgaben. Aber: „Die Kinder haben die Wahl, ob sie weitermachen oder nicht – bisher wollen sie weitermachen.“ (Elena).

Leider ohne Konkurrenz…

Besondere Lust aufs Training macht es, zu Auftritten Kids 1oder Wettbewerben zu fahren, die Aufregung zu erleben, sich auf der Bühne zu zeigen, die Stars Backstage als ganz normale Menschen zu sehen, Erinnerungsfotos zu machen und zu sehen, was denn die anderen so können und machen. Das bringt neue Ideen, die oft mit dem Satz enden: „Das möchte ich auch können, da muss Delanna uns eine Choreografie zu machen!“

Die Mütter sind immer mit von der Partie, auch die Großeltern kommen oft mit. „Allein dabei zu sein ist schon so aufregend!“ (Elena) – „Da sind die Mütter aufgeregter als die Kinder!“ (Ayguyl). Ihre Tocher Evelin habe sie mal gefragt „Und was ist, wenn wir keinen Platz machen?“ – „Das ist piepegal!“, erzählt Elena. Letztlich ginge es darum, einfach dabei zu sein, sich zu zeigen und ja, sich mit den Gleichaltrigen zu verleichen. Aber das ist nicht so einfach: bei der deutschen Meisterschaft startete Evelin ohne Konkurrenz, insgesamt nur eine Handvoll Solisten und eine Gruppe waren in den verschiedenen Kategorien am Start. „Das war für Evelin so frustrierend, so viel zu trainieren und dann alleine zu tanzen!“ (Elena). Beim Bellydancer of the World waren es ein wenig mehr – weil Kinder und fast-Jugendliche in einer Altersgruppe zusammengefasst wurden.

„Die Kinder wollen sehen, was können wir, wie weit sind wir“ (Elena). Ihre Mitbewerberinnen betrachten sie vor allem nach dem Motto „Wie cool – das kann sie, das will ich auch lernen“ (Delanna). Die Konkurrenz bei einer besonders gelungenen Bewegung zu sehen, bereite ihnen keinen missgünstigen Neid, sondern euphorischen Antrieb und Motivation fürs Training.

Auf nach Moskau

Nun soll es zur IDO Tanzolympiade nach Moskau gehenEvelin01 – an etwa 4 von 10 Veranstaltungstagen laufen die Bauchtanz-Wettbewerbe auf dem riesigen Moskauer Messegelände. In den drei Kategorien Show/Fantasy, Folklore und Klassisch werden die Mädchen auf jeweils ca. 80 Mädchen ihrer Altersklasse treffen – Konkurrenz zum sich Messen im Überfluss! Endlich! Paradisische Zustände für die Mädchen und eine Extraportion Aufregung für die begleitenden Mütter…

Dank Kinderstar Anastasya Korobova ist Bauchtanz für Kinder in Russland zum Renner geworden. Bei der Tanzolympiade treffen sich die Tänzer, die sich in ihrem jeweiligen Tanzstil nach Wettbewerben in Stadt-, Bezirks-, Regional-, National- und Europameisterschaften qualifiziert haben – eine riesige Veranstaltung. Die Bauchtanzwettbewebe laufen 4 Tage lang in 5 Hallen parallel fast rund um die Uhr. Die Altersklassen trennen zwischen Kindern bis 11 Jahre, Jugendliche bis 13 und bis 15 Jahren, das gibt einer fairen Bewertung der Mädchen eine gute Grundlage. Aber: Evelin wird diese Jahr 11 Jahre alt, sie wird zum letzten Mal als Kind starten können. Ihre nächste Chance nach 2015 wird erst kommen, wenn Delanna und Mutter Elena sie für bereit halten, als Jugendliche zu starten.

Aliah fasst den Wunsch der Drei zusammen: „Ich möchte zeigen, was ich kann“. Es geht nicht um Sieg oder Platzierung, es geht ums dabei sein, sich zeigen, die Spannung, neue Tänzerinnen sehen und kennenlernen. Evelin nimmt die kommende Aufregung gelassen: „Mal gucken, wie da die Atmosphäre ist und wie es da läuft.“

Spendenaktion: Wir vertreten den deutschen Kinderbauchtanz bei der Olympiade

Auf Visionbakery kamen in einer Woche rund 70% der erbetenen Summe zusammen: Geld für Flug, Anfahrt, und das dank der Ukrainekrise teuer gewordene Visum (85€ p. P.). Die Kosten der begleitenden Eltern odr Ausgaben für Kostüme etc. gehören bewusst nicht zu der erbetenen Summe. Sollte mehr Geld zusammen kommen, soll es für die Übernachtungen und Verpflegung der Mädchen verwendet werden. Auf die Frage, warum man ausgerechnet ihnen Geld für ihre Reise spenden solle, sagt Erika keck: „Wir trainieren viel und da brauchen wir noch Unterstützung.“ Delanna ergänzt mit der Erwachsenenperspektive: „Wir haben lange überlegt, ob wir um Spenden bitten sollen. Aber es geht ja nicht nur um uns, es geht um den Kinderbauchtanz in Deutschland. Moskau ist genau unsere Chance zu zeigen, dass es bauchtanzende Kinder in Deutschland gibt und dass sie so tanzen können. Darüber hinaus haben uns die Spenden total Kraft gegeben. Bisher haben wir uns immer gegenseitig aufgebaut. Als dann die Spenden kamen, vor allem die 300€, das hat uns viel gegeben, das hat gearbeitet – die Menschen glauben an uns. Wir haben keine Angst (vor der Größe und Konkurrenz), wir messen uns, zeigen was wir können.“ Und vertreten Deutschland in Russland – Völkerverständigung mit Bauchtanz.

Zur Spendenaktion1-IMG_8906

Mehr Videos von den Kids

Zu Delannas Homepage

Tipps und Fundstücke zwischendurch

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Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
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