Ein Griff ins Klo…

So fühlte es sich zumindest an… Verdammt, so hilflos und frustriert war ich nach dem Halten einer Stunde schon lange nicht mehr. Es geht um meinen neuen Kurs Bauchtanz-Fitness im örtlichen Sportverein. Letze Woche war dort Schnupperstunde, gekommen waren 9 Frauen, wieder mal entweder U25, sportlich/schwitzwillig, oder Ü40, motiviert/eingerostet.

Mein Ziel: ein Fitnessprogramm, das zwar im moderaten Tempo bleibt, dafür nonstop, also low-impact Fettverbrennungs-Cardio. Sanfter als Zumba, anmutiger als Aerobic. Erst eine oberflächliche Mini-Technikphase, nur das allernötigste, dann Kombinationen, die im Laufe der Stunde komplexer werden, wenige Bewegungen immer neu zusammengesetzt. Da ich nicht 5-6 Stunden Vorbereitungszeit pro ehrenamtlich gehaltener Kursstunde investieren kann, wollte ich diese Kombinationen improvisieren, hatte mir aber eine Zielkombi überlegt und geübt. Ich hatte mir vorbereitend einige Bauchtanzfitness-DVDs von Worlddance New York besorgt (Rezensionen folgen), die mir einige Ideen gegeben haben, was Tempo und Progression betrifft.

Der Raum ist ein großer, länglicher Gymnastikraum, Sporthallenboden, tragbarer CD-Player, an der schmalen Seite stehen die verbliebenen Spiegel der uralten Spiegelwand, die schon meine allerersten Tanzschritte gesehen und wohl den einen oder andern entgleisten Tanzstock ertragen hat. 3 m breit, mit deutlichen Gebrauchsspuren. Für 9 Frauen leider verdammt schmal, die standen in 3-4 Reihen davor und konnten sich nicht richtig sehen, während ich unzufrieden zwischen In-den-Spiegel-schreien und mich-zur-Gruppe-umdrehen pendelte.

Also habe ich die Gruppe umgedreht, nun konnten locker die Tänzerinnen in 2 weiten Reihen Platz finden. Aufgrund der Recheckform des Raumes musste ich dann relativ nah vor ihnen stehen, wodurch die außen Stehenden mich schon nicht mehr von vorne sehen konnten, sondern eher schräg-seitlich. Also wurde ich gefragt, ob ich mich icht umdrehen könne, so dass sie meinen Bewegungen direkt kopierend folgen könnten. Tja, da stand ich dann mit der Nase vor der Ziegelwand ohne einen blassen Schimmer, was die hinter mir denn so treiben… ging auch nicht.

Dadurch, dass ich nah vor diesen Reihen erwartungsvoller, bespaßungsauffordernder Frauen stand, fühlte ich mich in die Position des Inputgebers gedrängt, diese Panik immer mehr machen zu müssen, bloß keine Langeweile. Vor mir: die durchtrainierteste Zumbaveteranin, die mich unentwegt anstarrte. Die Gesichter der anderen: starre Masken. Konzentration? Langeweile? Genervt sein? Aaaargh!!!

Verdammt. In so eine Panik habe ich mich schon lange nicht mehr drängen lassen, Mist!

Ich stand da also, Hamsterrad im Kopf, gleichzeitig Vortanzen, gleichzeitig die nächste Kombination vorbereiten und einleiten, Überblick auf das kommende und vergangene Programm, Blick auf die Teilnehmer, Abschätzen Intensität, die Sorge, sie nicht ausreichend ins schwitzen zu bringen…. da blieb das bewusste Mitzählen und immer dieselbe Anzahl einer Bewegung wiederholen voll auf der Strecke. Was den Teilnehmerinnen – absoluten Bauchtanzanfängerinnen – viel Frust bereitet hat, was wiederum mich verunsichert hat. Aaarrrggh!!!

Die abschließende Feedbackrunde brachte vieles davon zur Sprache, mehr Technik wäre besser gewesen, mehr Wiederholungen, weniger Progression. Mir sank das Herz bis in die Hose. Es haben sich für die beiden Termine bis Ostern dennoch 5 Frauen eingetragen, angesichts 5€ für 2 Termine waren sie gewillt, mir noch eine Chance zu geben. Zum Glück.

Ich ab mich daraufhin noch mal hingesetzt und überlegt: der Anspruch, ein in sich abgeschlossenes Programm von Technik bis komplexere End-Kombi durchzuziehen, das auch für absolute Anfänger machbar ist und meinen Gedankenbildern, wie sportlich ein Fitnessprogramm zu sein hat gerecht zu werden – pffft! Ich werde es jetzt so machen, dass ich das Ganze als längerfristigen Kurs aufbaue, Neueinsteiger nicht jederzeit. Es soll zwar kein Tanzkurs mit Techniktrining werden, aber wenn die Frauen die Basics beherrschen, können sie sich besser entspannen und fühlen sich nicht überfordert. Die Progression von Technik über Prä-Kombis zur End-Kombi werde über mehrere Stunden verteilen. Die eigenen Ansprüche an die Inhaltsmenge herunter zu schrauben wird mir helfen, als Vorturnende mehr Wiederholungen ertragen zu können.

Ich möchte definitiv nicht mit Choreografien arbeiten, aber meine geliebten Improkonzepte in einem Fitnessprogramm anzuwenden, wie soll das funktionieren? Gleiches gilt für den Gebrauch des Spiegels und Gruppenaufstellung in Reihen. Es soll ein Kurs sein für Leute, die ohne viel Nachzudenken oder zu Lernen, sich nonstop bewegen, dabei nett schwitzen und vom Alltag abschalten. Leute, denen Zumba zu schnell ist, die ein gelenkschonenderes Programm suchen, das die Vorteile von Bauchtanz gegenüber Zumba und Aeorbic nutzt.

Ich bin mal gespannt, wie es in der nächsten Stunde so läuft. Glücklicherweise ist vorübergehend der eigentliche Tanzraum nebenan frei geworden: Musikanlage, Parkett, exzellente Spiegelwand an beiden Längsseiten. Drückt mir die Daumen….


Nachtrag: Die richtige Mischung und Intensität zu finden ist keine leichte Aufgabe. Aber zumindest konnte ich in den darauffolgenden Stunden zeigen, wie gut ich normalerweise Stunden anleiten kann 😉

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
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