Baladi-WSs mit Raksan und Sahra Saeeda

Tanzimprovisation, Baladi, Loslassen, Gefühl im Tanz – das scheint sich bei mir zum Roten Faden in diesem Jahr zu mausern. Allein diesen Monat hatte ich zwei sehr, sehr gute Workshops zu Thema Baladi, die mir gleich auf mehreren Ebenen Material zum Nachdenken und Aufarbeiten mitgegeben haben.

 

2. November: Baladi-WS mit Raksan

Mit den Schlagworten Awadi und Akkordeon versehen, lag hier ein Schwerpunkt auf der Taksim-Interpretation. Es ging nicht um das Vermitteln von einzelnen Baladibewegungen, sondern um den Ursprung des Tanzes im Körper, um die Auslöser der Bewegungen, um das zugrundeliegende Tanzgefühl. Genial! Klar hatten wir auch den kompletten Ablauf eines Baladi-Musikstücks und wir haben auch komplette Lieder getanzt. Aber für mich war es gerade der Taxim, das Spiel der Akkordeonklänge im Körper, das ich für mich mitnehmen konnte.

Was ich besonders genossen habe: Wir waren in Sahélas wunderschönem Studio in Wesel und sie hat die Gelegenheit genutzt, am Workshop teilzunehmen. Sahela und Raksan Seite an Seite Baladi tanzen zu sehen, war ein großartiges Erlebnis! Wie ihr vielleicht gelesen habt, hatte ich eine Zeit lang an Sahelas Zimbelprojekt teilgenommen – sie ist eine großartige Lehrerin mit sehr sehr viel Wissen, großer Kompetenz in Theorie und Praxis und unterrichtet auf eine sehr sympathische, authentisch-humorvolle Art. Ich muss dringend wieder öfter zu ihr – an ihrem laufenden Baladiprojekt hatte ich bisher nicht teilnehmen können, kann es aber ungesehen dringend empfehlen!!!

 

Gestern: WS Baladi mit Sahra Saeeda

Es war eine ideale Ergänzung zum Workshop mit Raksan! Es begann mit einem Theorieteil, der mir extrem gut gefallen hat. Wie euch vielleicht schon aufgefallen ist, bin ich im Bauchtanz eine wissbegierige Wissenssammlerin, geradezu ein Bauchtanzgeek. Am Theorieteil bei Sahra Saeeda gefiel mir, dass man merken konnte, wie eingehend und umfassend sie sich durch Recherchen vor Ort in Ägypten die Thematik erarbeitet hatte. Dennoch machte sie immer wieder deutlich, wie viel widersprüchliche oder abweichende Infos sie erhalten hatte und dann auch nur jene Aussagen konkret an uns weitergab, derer sie sich absolut sicher war. In einer Tanz- und Musikform, in der das Meiste über mündliche Traditionen weitergegeben wird und so viel unterschiedliche Meinungen verbreitet werden, ist das ein sehr solider Ansatz – ich freu mich auf ihr Buch!

Im praktischen Teil des Workshops wurde zunächst die klassische Awadi-Baladi-Form in ihrem Verlauf vorgestellt und ertanzt, dann ging es zum Tet-Baladi. Hier lag der Schwerpunkt auf der Verwendung der verwendeten Rhythmen, Maksoum/Masmoudi/Baladi, die Rhythmen in Aminti Ballah und Hassan, das Ingerara. Sahra gab den Rhythmus und zwei Skelettbewegungen vor, dann ging es um die kreative Ausführung ohne Musik, dann im kompletten Zusammenhang im Beispiel-Baladistück.

Verahzad war als Gastgeberin mit anwesend, man konnte merken, wie lange sich die beiden schon kennen und wie tief ihre Freundschaft ist. Neben den konkreten Inhalten waren sich Sahra und Verahzad darin einig, dass das Pendel vom Gefühlsorientierten/Selbsterfahrung in den vergangenen Jahrzehnten hin zum Technischen/Perfektionsstrebenden geschwungen ist und es nun wirklich Zeit ist, auch dem Gefühl un dem Tanzgenuss wieder Raum zu geben. Ich hatte schon vorher das Thema Gefühl im Tanz und Sinnlichkeit mit Verahzad in Verbindung gebracht, auch durch einen Workshop vor einigen Jahren bei ihr. Doch nun habe ich den Eindruck, dass ich mit meiner eigenen Entwicklung weg vom verstandsgetriebenen, perfektionsstrebenden Technikdenken hin zu Gelassenheit, Genuss und Gefühl im Tanz, auf andere Bauchtänzer treffe, die in dieselbe Richtung denken und arbeiten: Raksan, Sahra, Verahzad, auch Sahela, Delanna, die Frauen vom TAI TOOLs…. Klar braucht man auch Technik, wie man Worte braucht, um zu sprechen – doch Worte regelgetreu aneinander zu hängen ist doch noch was anderes als ein Gedicht zu schreiben. Ohne Worte kein Gedicht – aber auch ohne Poesie kein Gedicht.

 

So, jetzt werd ich mich mal von meinen Gedanken losreißen und für heute Abend „Zeit für mich – Bauchtanz für Körper und Geist“ vorbereiten gehen – wie das Leben so spielt…

 

 

 

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
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