TAI TOOLS bei Raksan – Teil 2 und das Unterrichten danach

Letztes Wochenende war wieder TAI Tools und es war wieder großartig. Ich bin zwar etwas besorgt, weil ich Kopfmensch vor allem körperlich erlebt und gelernt habe und das Gelernte nicht bis ins letzte Detail ausformuliert festhalten, aufschreiben und vor dem Vergessen und Verblassen der Erinnerung bewahren kann. Aber ich merke schon, wie es mich verändert und wie sich mein Tanz, mein Training und mein Blick auf meinen Unterricht verändert.

Die Themen des zweiten Wochenendes waren aus meiner Sicht:

  • Technik kann Spaß machen / weg vom Frontalunterricht / wie gehe ich mit dem Spiegel um
  • Taxim (Nay und Geige), Kurzausflug Maqamat
  • Improvisationen zu Impulsen, Impulse durch den Körper fließen lassen, Contract-Release-Ideen
  • Überspannendes Thema: in den kreativen Flow kommen, sich trauen, Kontrolle aufzugeben und Inspiration kommen lassen, dann aber Wechsel von In-Sich-Versunken und Kommunikation, von Flow und Wachheit. Die Gelöstheit beizubehalten und doch präsent sein. Den inneren Kritiker ausgeschaltet lassen, die inneren Barrieren und Schutzschilde offen zu lassen, weiter zu improvisieren und doch den Kontakt nach außen suchen… Uff! Nicht einfach, sehr spannend!

Zwischendurch gab es immer wieder Tipps zum Unterrichten, z. B. wie gehe ich mit Gruppenhierarchien um, wie viel Zeit für Technik, Warm-up-Gestaltung. Alles in allem war es wieder sehr, sehr intensiv. An beiden Tagen haben wir geschwitzt ohne Ende, man hätte  unsere Shirts eimerweise auswringen können. Aber auch verdammt gut! Ich wünschte, es wären mehr als nur 3 Wochenenden…

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Gestern war wieder mein ATS-Workshop dran, den ich seit kurzem monatlich in der Tanzbühne Greven gebe. Beim letzten Mal war ich total unzufrieden mit mir, mir war der Unterricht zu Frontal-lastig und konfus. Ich hatte zwei Neueinsteiger/Schnupperer und wollte das bisher Gelernte einmal komplett wiederholen, so dass diese auch mittanzen konnten – ärgs! Meine Schüler fanden es anscheinend nicht so schlimm – was soll mir das sagen…?!?

Für dieses Mal hatte ich mich sorgfältig vorbereitet – und dann meine CDs mit den aufgeklebten Zettelchen zuhause liegen lassen, na toll. Ich hatte nur die frisch gebrannte CD mit Warm-up, Shimmy&Zimbel-Übungsliedern mit. Als ich dann im Studio stand, waren die Frauen vom davor stattfindenden Fusion-Projekt noch am Üben für einen Auftritt. Normalerweise endet deren Training eine halbe Stunde vor meinem Workshop, diesmal waren sie erst wenige Minuten vor dem Start meines Workshops fertig und meine Teilnehmer sind zur Hälfte auch Teilnehmer beim Fusion…

Denn erstens kommt es anders …

Gut, ich hatte geplant, wie beim TAI, vor dem Stundenbeginn Musik laufen zu lassen, als Einladung, sich selbständig im Raum einzufinden, anzukommen und wohlig zu räkeln und zu sträkeln, den Körper bereit zu machen. Ich erlebe es beim TOOLs selber, wie angenehm es ist, nach der Pause den Körper erst wieder ein wenig ins Hier und Jetzt und in Arbeitslaune zu bringen, bevor es wieder losgeht. Also ließ ich gestern nach einer Viertelstunde zunächst die Musik beginnen (Greeting von Hamza el Din) und die Teilnehmer kamen neugierig herein. Sie waren zunächst etwas unsicher, was denn nun erwartet würde, aber nachdem ich selber einfach angefangen und sie dabei zunächst betont ignorierte, kam die Botschaft an. Es hat ihnen merklich gut getan und das eigentliche Warm-up konnte in der Intensität schneller gesteigert werden (Whirling von Omar Faruk Tekbilek, dann Like a hobo von Charlie Winston), ich hatte mehr Zeit für etwas Cardio, das Aufwärmen der Schultermuskulatur und Ausgleichstraining für das rechte Bein.

Ohne irgendwas zu erklären wurden zwei Gruppen gebildet, Musik an – legt los. Nach dem Motto „Jeder erinnert sich an was anderes“ habe ich sie einfach mal machen lassen, selber im Gehirn graben und als Gruppen sich selber korrigieren lassen. Danach Fragerunde und nochmal machen lassen. Neue Technik erklärt (Box Step, Single Bump) und wie immer zunächst in Einzelarbeit üben lassen, wobei ich zum Spickern zunächst mittanze und mich dann in die Beobachterposition zurückziehe. Fragen beantworten, nächster Schritt hinzugefügt, gleiches Vorgehen, danach Tribaln in zwei neugemischten Gruppen bis zur Pause.

Dann ging es mit Zimbeln weiter, erstmalig in diesem Kurs. Ich wusste nicht, wer schon Vorerfahrungen mit Zimbeln hatte und da ich erwartet habe, dass bei Anlegen der Zimbeln erstmal das große Herumgeklapper starten, unterdrückt und dann zwischendurch wieder aufflammen würde – schließlich hat man die Schepperln nicht alle Tage an den Fingern… – habe ich bewusst die Ansage gemacht, sich zunächst einige Momente genau dafür zu nehmen. Dann schickte ich sie mit einigen Ansagen ins selbständige Üben im Raum, jeweils für die Länge des Liedes (Discovered bzw. Extra Extra von Beats Antique). 1. herumgehen und die Aufmerksamkeit lenken (Füße/Aufsetzen, Taktschlag, Zimbelschlag im gleichen Tempo). 2. dasselbe, aber mit Richtungswechseln, Schritte ausprobieren. 3. Achtelschläge, Wechsel Achtel und Viertel, wieder Aufmerksamkeit zwischen Zimbeln, Füßen und Musik wechseln lassen. 4. Wechselnde Armpositionen einführen, dann mit langsamen Bewegungen mit gestreckten Armen beginnen. 5. Galoppmuster. Die Teilnehmerinnen waren sehr konzentriert und man konnte sehen, wie sie ihre Aufmerksamkeit mal in den Füßen hatten und sehr betont aufsetzten und dann wieder die Arme entspannten und sich den Zimbeln widmeten. Einige waren sehr in sich versunken, als sei diese Art der Übung neu aber intensiv lehrreich, andere wurden recht schnell kreativ und frei mit ihren Bewegungen. Insgesamt kam es sehr gut an, die typische Scheu vorm Zimbeln war nicht zu spüren, die Frauen entschieden sich sogar für mehr Zimbelübungen, als ich sie fragte.

Für den Abschluss nach dem intensiven gemeinsamen Tribaln zum Ende der Stunde hatte ich mir überlegt, ein bestimmtes Spiel zu machen und die Ausgleichsbewegungen auf dem rechten Bein damit zu verknüpfen, statt wieder stur am Spiegel zu stehen und selber die Gruppe zu führen. Spontan legte ich dann gestern aber „Schüttel dein Speck“ von Peter Fox ein, mit der Aufforderung einfach nach Laune, Lockernd und die Ausgleichsbewegungen einflechtend loszulegen – perfekt! Sofort war eine fröhliche, ausgelassene Energie im Raum, wir tobten befreit durch die Gegend, weg von Haltung, weg von intensivem Miteinander, weg von der zur Verständigung nötigen Disziplin. Genial! Die vier Frauen vom Fusion-Projekt fragten danach, ob sie uns ihre Choreografie vortanzen dürften – sehr schön! – wir übrigen blieben dabei stehend in Bewegung und so konnten wir nach dem Toben auch wieder runterkommen – dazu sollte ich mir fürs nächste Mal noch was überlegen. Danach wieder gemeinsames Stretching im Kreis mit Palaver und Ende. Die Teilnehmer waren guter Laune, entspannt und zufrieden und auch ich war mit mir und dem Verlauf der Stunde sehr zufrieden. Rundum gelungen, würde ich sagen.

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
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Ein Kommentar zu TAI TOOLS bei Raksan – Teil 2 und das Unterrichten danach

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