ÜL-C: Aufbauseminar

So, warum habe ich in der letzten Zeit so wenig geschrieben?

Tja, da wäre beispielsweise meine Existenzgründung, jede Menge Crosstraining, mein erster eigener Kurs beim örtlichen Sportverein und jetzt hat auch noch das Aufbauseminar zum Übungsleiter C Breitensport begonnen. Über das Basismodul hatte ich im März berichtet (HIER Wochenende 1 und HIER Wochenende 2). Für mich, für euch und auch für Leute, die mit der Idee spielen, selbst den ÜL C zu machen, möchte ich auf dieser Seite von den sechs Wochenenden berichten. Sprich: ein Beitrag für die gesamte Zeit, das ist übersichtlicher im Blog und für Interessierte flüssiger zu lesen.

 

Wochenende 1: Organisatorisches, Spiele und Trendsport

Im Aufbauseminar sind wir 18 Frauen, davon ist der überweigende Teil jünger als 25 und es ist wieder eine bunte Mischung an Sportarten vertreten. Diesmal sind mehrere Tänzer dabei, auch eine ehemalige Bauchtänzerin, die früher sogar mit Schlange tanzte. Die ersten beiden Dozenten wirken sehr, sehr professionell, die Theorie- und vor allem die Praxisphasen sind super gemacht und gespickt mit diesen vielen kleinen Dingen, die einem erzählen, wie verdammt gut die beiden als Lehrer und Gruppenanleiter sind.

Nach viel Grundsätzlichem und Hinweisen zu den Teilnehmerstunden, dazwischen Kennenlernspiele, gibt es nach dem Mittag eine Beispiel-Breitensportstunde mit unterschiedlichsten Spielen wie z. B. Wo ist meine Mütze, Schnick Schnack Schnuck Prinzessin oder dem Alaskaspiel mit immer weiter schmelzenden Inseln aus Zeitung. Danach eine halbe Stunde Reflektion: jedes Spiel wird analysiert auf Ziele (körperlich, kognitiv, emotional oder sozial), mögliche Zielgruppen, potentielle Gefahren, Schwierigkeit, Machbarkeit usw. Wahn.sinn.!

Sonntag war das große Thema Trendsport, was ist Trendsport, aktuelle und nicht mehr ganz neue Trends, wann ist es kein Trend mehr, wie geht man als Sportverein mit Trends um, usw. Als Praxisbeispiel (methodische Reihe!) hat die eine Hälfte der Teilnehmer Unihockey gespielt, die andere Prengelball, danach spielten beide Gruppen gegeneinander erst das eine, dann das andere. Unihockey hat den Vorteil, dass mit beiden Seiten des Schlägers gespielt werden darf, allerdings wird nicht geschossen, sondern geschoben. Prengelball spielt man mit kurzen Schlagstöcken, an deren Kopf ein Ball befestigt ist, etwa wie ein kleiner Gymnastikball. Damit kann man den verwendeten Fußball nicht führen, man kann nur den Ball direkt weiterschlagen. Durch beide Faktoren, also das Gewicht der Schläger und dem direkten Abspiel, ist es ein wuchtiges und schnelles Spiel, bei dem ich als Teil der Hockeygruppe doch ein Training in dem Spiel vorher gewünscht hätte. Unihockey hat mir dagegen sehr viel Spaß gemacht, es war das erste Mal in meinem Leben, dass mir ein Mannschaftssport mit Ball wirklich Spaß gemacht hat. Insgesamt würde ich sagen, dass ich in Sachen Ball gar nicht so schlecht bin, wie ich vom verhassten Schulsport in Erinnerung hatte… schon allein die Tatsache, nicht von meinen damaligen Mitschülern und Sportlehrer umgeben zu sein, sondern von Leuten, die mich nicht kennen, hat sehr geholfen.

 

Wochenende 2: Anatomie, funktionelles Krafttraining, Sinne, Führungsstile

Der Samstag war für mich einfach nur klasse! Anatomie und nach Gesundheitsaspekten ausgerichtetes Training sind meine persönlichen Steckenpferde. Super fand ich den Praxisteil, den die Lehrgangsleiterin (ehemals Karatekämpferin auf Bundesebene…) mit uns machte. Anhand veralteter Übungen für Kraft und Beweglichkeit sollten wir in Kleingruppen Kritikpunkte und Alternativen erarbeiten, was dann im großen Kreis vorgeführt und mitgemacht wurde. Danach gab es 8 Übungsstationen, an denen wir mögliche/typische Risiken bei der Ausführung der Übungen sowie wichtige Anweisungen und Korrekturen erarbeiteten sollten. Danach gab es jede Menge Tipps ums gestalten und durchführen von Krafttraining, von Kraftarten bis Anzahl und Steigerung der Übungen. Rundum klasse!

Am Sonntag ging es um die Sinne, zunächst gab es Partnerarbeit mit „Nachtsichtsimulationsbinden“. Dann wurden zwei Parcoure aufgebaut. bei dem einen wurde ein Gitternetz auf den Boden geklebt, mit Töpfchen unterschiedlichen Inhalts auf den Kreuzungen. Enthielt der Inhalt ein „l“ z. B. eine Zwiebel, musste man links abbiegen, war es ein „r“ wie in Zitrone, ging es rechts weiter – bei Kaffee rutschte man einfach geradeaus weiter. In der Hallte wurde während dessen ein Parkour aufgebaut, bei dem man sich blind an einer Schnur entlangtastend unterschiedlichste Hindernisse bewältigen musste – total genial und sauspannend!

Hier ein paar Fotos:

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Der Eingang. Die Matte war so eng gestellt, dass man sich auf allen Vieren durch einen Spalt unbekannter Größe quetschen musste, dann folgte ein federndes Sprungbrett. wenige Schritte danach fing das Seil an.

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Ein umgedrehter Kastendeckel mit jede Menge Tennisbällen – einfach und genial! Als „Blinde“ wusste man gar nicht, wieviele Leute um einen herum waren, es war eine Mischung aus hilflosem „was kommt jetzt?!?“ und spannender Entdeckerneugier!

 

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Weiter gings unter dem Fallschirm-Baldachin hindurch – tolle Sinneseindrücke! und durch einen sehr engen Tunnel aus Stufenbarren und Matten. Durch die Höhe des Seils krabbelte man auf 3 Beinen hindurch. Die Hütchen hatte ich gar nicht wahrgenommen

 

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Eine wirklich tolle Station! Wieder 3- bis 4-beinig, diesmal eine schräge Ebene hinab, Kopf voran – klasse! Allein schon blind über die verschiedenen Matten zu gehen war sehr anregend.

 

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Die letzten 4 Hindernisse: hiervon ist mir die vorletzte in besonderer Erinnerung geblieben, ich hatte den Eindruck, ich krabbele 3-beinig über sich ständig verschiebende Stäbe und kein starres Gitter.

Die Gruppe, die diesen Pakour entworfen und aufgebaut hat, war echt kreativ und es war ein einmaliges Erlebnis!

 

Wochenende 3: Sicherheit im Sport a.k.a. Pleiten, Pech und Pannen… 

Am Samstag war von vorne bis hinten der Wurm drin. Wir waren nicht mehr in der wunderschönen neuen Halle, sondern in einer durchschnittlichen Halle aus den 70er/80er Jahren mit intensivem Käsefußgeruch und angeranzten Geräten. Kurz davor eine Baustelle, so dass die meisten zu spät und abgehetzt kamen, in einem Fall nach einem kleinen Unfall des Kindes zuhause – ein erster Vorbote.

Thema war zunächst Sicherheit im Sport und nach kurzer Theoriephase sollten wir in Kleingruppen Gerätestationen aufbauen mit den Tätigkeiten wippen, balancieren, schwingen oder hangeln und mindestens einem vorgegebenen Gerät. Dann gingen wir Station um Station ab, wobei einer der beiden Lehrgangsleiter einen übermütigen Vertreter der Zielgruppe Kinder darstellte. Die erste Station bestand aus einem Reck, einem Stufenbarren und einer schräg eingehängten Bank, rechtwinkelig U-förmig aufgestellt. Bei den beiden Stangen am Reck und am Stufenbarren sollte man auf der unteren Stange balancieren und sich an der jeweils höheren festhalten. Nach kurzem Check der Geräte nahm sich einer der Lehrgangsleiter voller Elan die Benutzung als rücksichtslos-übermütiges Kind vor und endete das mit einem Absprung vom Reck , um mit einer Arschbombe auf der noch nachträglich hinzugefügten dicken Weichmatte zu landen – allerdings ungebremst, da diese noch einigermaßen frisch aussehende Matte so durchgenudelt war, dass sie fast gar keinen Effekt mehr hatte… Schmerzen, große Schmerzen… aber zumindest noch Gefühl in den Beinen. Die Retter waren zum Glück schnell da, das Krankenhaus nicht weit. Der Lehrgangsleiter wurde aber bis zur Diagnose durch einen Spezialisten am Montag einbehalten. Übrigens hatte die Halle mitsamt Gerät in der Woche vor unserem Seminar noch einen offiziellen Sicherheitscheck und offiziellem „Bestanden“-Stempel…

Ihr könnt euch die Stimmung vorstellen – aber das war leider noch nicht das Ende. Später kasperte einer Teilnehmerin noch der Kreislauf weg, eine andere musste nach Hause und ihre Tochter ins Krankenhaus bringen, nach einem heftigen Zusammenstoßen mit dem heimischen Gartentor.

Ich habe mich trotz allem abends doch noch aufgerafft, zur Show der Tanzbühne Greven zu fahren, da das Studio im Frühling die Besitzerin gewechselt hatte, die ich noch nicht kannte. Ich sah schon an der Kasse stehend meine beste Freundin aus Schulzeiten im Publikum, die ich seit über 2 Jahren nicht mehr gesehen hatte, als – – – ich feststellen musste, dass es keine Karten mehr gab.

Hat mich an der Stelle irgendwie nicht überrascht.

Zum Glück waren einige Kartenbesitzer doch nicht erschienen, so dass ich später noch rein durfte.

Wieder zuhause empfing mich dann der Lärm der präpubertären Nachbarstochter, die anscheinend eine Karokeparty feierte, bis halb zwei… um halb neun war ich wieder auf dem Weg zum sonntäglichen Seminar… fix und fertig.

 

Weitere Themen waren Lernen (Lernformen, Lerntypen), Zielgruppen im Sport, Spiele (Spiele entwickeln, warum, wofür), Einsatz von Spielen zum Erlernen von Techniken (Techniktaktikmodell, Spielgemäßes Konzept integratives Modell). Vieles wurde nur noch theoretisch abgehakt, gerade am Samstag nach dem Unfall. Uns wurde dann an beiden Tagen noch Zeit gegeben, uns auf die Teilnehmerstunden vorzubereiten, wobei wir immer zu zweit eine Stunde vorbereiten und abhalten werden –> Wochenende 4&5

Jetzt kommen aber erstmal zwei freie Wochenenden!

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
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