Dunning-Kruger-Effekt: Ich weiß, dass ich nichts weiß

Nun, da die Erstausgabe meiner Zeitschrift im Druck ist und ich ein paar Tage Zeit habe, werde ich die in den letzten Wochen gefundenen Themen nach und nach aufgreifen. Eines davon ist der Dunning-Kruger-Effekt, dank eines Facebook-Posts bin ich vor einigen Wochen darauf gestoßen.

 

Der Dunning-Kruger-Effekt beinhaltet die Gedankengänge hinter dem antiken Ausspruch: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Zwei Psychologiestudenten namens Dunning und Kruger haben Spaßeshalber einige Untersuchungen angestellt, in denen sie nachgewiesen haben, dass nicht sehr kompetente Personen dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen während kompetente Personen ihr Wissen kritischer einschätzen können. Warum? Erst mit zunehmendem Können auf einem Gebiet kann man abschätzen, wie groß dieses eigentlich ist und wieviel die eigenen Fähigkeiten bereits abdecken. Beziehungsweise: „Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, um zu entscheiden, wann eine Lösung richtig ist.“ David Dunning

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Ein klassisches Beispiel aus dem Bauchtanz sind die „Six Week Wonders“, Frauen, die nach ein paar Monaten wöchentlichen Unterrichts ein Kostüm kaufen und sich als professionelle Bauchtänzerinnen bewerben.

Ein Beispiel aus meinem Leben: 2007 war ich in einem Masterclass-Choreografieworkshop zum Thema Moderner Kairoer Stil angenehm gefordert, heute arbeite ich gewissenhaft an Level 2 nach dieser Stufeneinteilung, also Anfänger-mit-Vorkenntnissen-Niveau…

 

Was sagt uns das?

Anfänger sind nicht in der Lage zu begreifen, wieviel Lernen noch vor ihnen liegt, wenn sie wirklich gute Tänzerinnen mit fundierten Kenntnissen werden wollen – was vielleicht auch gut ist, wäre es nicht ungemein abschreckend?

Wenn jemand bereits auf einem anderen Gebiet sich über einen längeren Zeitraum grundlegende Kenntnisse erarbeitet hat, kann er aber daraus lernen und Vergleiche ziehen. Ein allgemeingültiges Beispiel sind da vielleicht die Jahre von Kindergarten bis Schulabschluss oder gar Studium und vielleicht Doktorarbeit.

Ich denke, diese Prinzip zu verstehen und bewusst in der Kommunikation mit Schülern, Kollegen, Lehrern und Freunden zu bedenken, wäre hilfreich – definitv hilfreicher als ein Plattes „Du verstehst das nicht“.

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
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