Der Anfang ist gemacht: ÜL-C Basis WE 1

Dieses Wochenende war die erste Hälfte von Übungsleiter C Basismodul dran.

Zugegeben: ich hatte Angst vor dem Wochenende. Wirklich Angst mit ganz viel Erinnerungen an den verhassten Sportunterricht in der Schule. Stellt euch eine etwas übergewichtige, unsportliche Person in verwaschenen, ausgebeulten Klamotten vor, die keine Bälle fangen kann, schnell außer Atem ist, keinen Handstand kann und bei Teamspielen immer als letzte gewählt wird, weil alle wissen, dass sie in Ballspielen eine absolute Niete ist. Inhalt des Sportunterrichts: entweder Bodenturnen oder Ballspiele in Teams…. Ich habe es abgrundtief gehasst!

Als es dann in der Einladung zum Seminar hieß „Treffpunkt Turnhalle, bringt Sportsachen für drinnen und draußen mit“ fiel mir das Herz in die Hose – und noch so einiges andere polterte gleich mit. Einige Tage später wurde mir klar: Hey, du bist nicht mehr die 12-jährige von einst, du bist eine erwachsene Frau und dieses Seminar ist nicht für Leistungssportler gedacht, sondern für Hobbyisten, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich Gruppen anleiten wollen.

Der Ausbilder ist hauptberuflich Sportlehrer und das merkte man auch, aber die Bewegungsspiele und Übungen, die wir in den 9-10 Stunden gemacht haben, haben total Spaß gemacht! Wann macht man denn als Erwachsene so Dinge wie kopfüber an der Stange hängend Dinge durch Reifen werfen?

Allerdings… ich war wieder die Außenseiterin. Wieder diejenige, die nicht Stunde um Stunde durch die Halle joggt, wieder diejenige, die mit Bällen nicht so geschickt umgeht wie die Anderen. Von dem, was ich wöchentlich 4-6 Stunden trainiere, konnte ich rein gar nichts anwenden, ich fühlte mich wieder wie jemand, der nix kann, unsportlich und übergewichtig das Durchschnittsniveau der Gruppe in die Tiefe plumpsen lässt.

Ich fühlte mich in dem Seminar nicht nur deplatziert, ich hatte auch das Gefühl, nicht allzuviel Relevantes für meinen Bauchtanzunterricht zu lernen. Die Theorietiefe war – verglichen mit dem, was ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe und im Bauchtanzunterricht bei Tanzpädagogen und Physiotherapeutinnen so mitbekommen habe – lächerlich gering, es waren auch nur ca. 3 Stunden bei ca. 9-10 Stunden Praxis. Der Ausbilder meinte irgendwann, dass es diese Trainerscheine nicht nur spezialisiert für Segeln und andere Exoten gibt, ich solle mal beim Tanzsportverband nachfragen. Habe ich heute auch gemacht.

Aber wisst ihr was?

Es gibt auch eine positive Seite an dem Ganzen:

– ich habe festgestellt, dass ich nicht so schlecht im Fangen und Werfen bin, wie ich dachte. Vielleicht, weil ich jetzt eine gute Brille trage, vielleicht, weil durch den Spaß und fehlende Benotung kein Leistungsdruck herrschte. Auf jeden Fall konnte ich einhändig mit der linken Hand fast so gut werfen und fangen wie mit der rechten.

– jede Menge Input in Sachen Cross-Training. Ich habe vielleicht schon erwähnt, dass Drehungen ein Dauerthema bei mir sind und ich seit Jahren immer neue Puzzlestücke an Ideen und Tipps dazu finde. Nach der Breitensportdefinition von Koordination, beinhaltet diese nicht einfach nur das Zusammenspiel mehrerer Bewegungen gleichzeitig, wie wir im Bauchtanz sagen, sondern auch das Zusammenspiel der Sinne, darunter auch der Raumsinn. Wie ein Baumstamm eine schräge Matte langrollen, sofort auf der weichen Matte aufstehen, stehenbleiben und sofort Reifen und Ringe verschiedener Größen in einen Korb werfen? War schon eine Herausforderung für mich. Ich werde also meinen Raumsinn gezielt trainieren und mal schauen, was mir das bringt.

– Vor ein paar Minuten las ich diese beiden Blogartikel zum Thema lernen aus Fehlern/Unvermögen und wie gut es für einen Lehrer ist, zwischendurch mal wieder blutiger Anfänger zu sein. Wie passend! Also: Es ist unangenehm, aber lehrreich.

– ich brauche diesen Schein nicht für Bauchtanz, ja, schon, schließlich werkel ich ja an ESTODA. Was das betrifft könnte ich die Sache mit dem ÜL-C sausen lassen. Aber: ich möchte den ÜL-B machen, Prävention und Sport der Älteren, wo es um Rücken, Herz-Kreislauf, Entspannung u. ä. geht. Und dafür ist der ÜL-C eine unumgängliche Voraussetzung.

– und: wenn es an die Lehrproben geht, darf ich mich rächen… *hüstel* Natürlich nichts übertriebenes, aber schon Anfängerübungen dürften beweisen, dass Breitensport nach deutscher Lesart und Bauchtanz völlig unterschiedliche Fähigkeiten und Muskeln fördern…

 

Oh, Mann. Ich bin was dieses Wochenende und meine Leistung betrifft echt in einer Verunsicherung großen Ausmaßes verheddert. Positiv gesehen eine Chance für persönliches Wachstum… Argh! Ich werd da noch mal in mich gehen und dann die Sache mit dem gordischen Knoten und Alexanders Strategie nachstellen, den passenden Säbel habe ich ja… 😉

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
Dieser Beitrag wurde unter Erfahrungen und Gedanken, Tipps fürs Training, Unterrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Der Anfang ist gemacht: ÜL-C Basis WE 1

  1. Mahin sagt:

    I’m glad you found my posts on failure and learning useful. Good luck with your new venture!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.