Erste Hilfe

Ich war gestern und vorgestern bei einem Erste Hilfe Kurs, da ich einen aktuellen Nachweis für den Übungsleiterschein brauche. Da ich nicht wusste, dass zwischen dem normalen (4 Doppelstunden) und großem (8 Doppelstunden) Kurs unterschieden wird, bin ich beim „Erste Hilfe für Ersthelfer im Betrieb“ gelandet. Ich weiß also nun, dass man bei Unfällen an der Kreissäge o. ä. zuerst alle Maßnahmen am Verletzten durchzieht und erst danach abgeschnittenen Gliedmaßen einsammelt, denn die kann man auch bis zu 6 Stunden später noch wieder annähen. Juhu. Im Bauchtanz nicht gerade wahrscheinlich, aber dennoch gut zu wissen, denke ich. Der Ausbilder, der im Alltag Bergleute betreut, machte einen sehr praxisnahen Unterricht und in meist recht lockerer Stimmung verging die Zeit wie im Fluge.

Ich fand die ganze Aktion wirklich sehr sinnvoll, ich möchte allen Tanzlehrern und Tänzern empfehlen, sich ebenfalls in Sachen erste Hilfe fit zu machen. Als Lehrer haben wir eine besondere Rolle, tragen ein Stück Verantwortung für unsere Schüler. Als Lehrer oder Tänzer sind wir gelegentlich auch Veranstalter und als solche immer erste Ansprechpartner in allen Notfällen. Wenn etwas passiert, muss einer die Führung übernehmen, sagen was zu tun ist und Ruhe bewahren.

Informiert euch beispielsweise bei der nächsten DRK-Zentrale, hier bieten die b spezielle Kurse beispielsweise für den Sportbereich oder Erzieher an. Im sowieso empfehlenswerten Buch „Tanzmedizin“ von Liane Simmel findet ihr auch ein Kapitel zu Verletzungen im Training.

 

Für mich als Wiederholung und für euch als Anregung hier die zentralen Lehren, die mir in Erinnerung bleiben sollen:

Als Erstes: Atmung ermöglichen. Wenn jemand bewusslos ist, kann er durch seine Zunge ersticken. Also: Kopf überstrecken! Helm möglichst abnehmen.

Mund-zu-Mund und Herz-Lungen-Massage: immer 15x Massage, 2x beatmen und zwar so lange, bis die Retter eingetroffen sind oder der Verletzte wieder bei Bewusstsein ist. Um ein gutes Tempo einzuhalten Happy Birthday (in Gedanken!) singen. Wenn man zu zweit ist: 1x singen plus laut 26, 27, 28, 29, 30 einzählen, damit der Partner ohne Pause zwischen Beatmung und Massage arbeiten kann, denn hier gilt 30x + 2x. Um den richtigen Punkt für die Hände zu finden, gilt jetzt vereinfacht: unterhalb der Mitte des Brustbeins, zwischen den Brustwarzen, 6cm tief eindrücken – man muss wirklich in die Tiefe gehen! Dadurch wird das Herz ausreichend stimuliert und obendrein wird die Lunge pumpenartig gleich mitbearbeitet. Keine Angst vor Brüchen, lieber was gebrochen als tod. Beim Beatmen Brustkorb beobachten, der sollte sich deutlich heben und senken, aber normales pusten reicht, Lungenbläschen sind keine Gummireifen. Als Selbstschutz kann man Beatmungsmasken verwenden, die gibt es um 10€ und decken sowohl Mund als auch Nase ab.

Die Stabile Seitlage wurde vereinfacht und dank Hebelwirkung ist es jetzt kinderleicht selbst schwere Personen zu drehen: http://www.drk.de/angebote/erste-hilfe-und-rettung/kleiner-lebensretter/stabile-seitenlage.html Merksatz dazu: Nase in den Dreck.

Wundversorgung: mit den Inhalten des Erste Hilfe Kastens die Wunde abdecken, so dass bis zum Eintreffen der Retter kein weiterer Dreck hineingelangt. MEHR NICHT! Keine Salben, kein Desinfektionsmittel. Nichts herausziehen. Starke Blutungen mit Druckverband und aufdrücken des großen Tuchs aus dem Kasten stillen, nicht abbinden. Amputate kühl und drecksicher einpacken.

Schock: Hinlegen, Beine erhöht lagern, warm halten, Notruf!!! Ein Schock kann lebensgefährlich sein! Versuchen, die Person in ein anregendes Gespräch zu verwickeln, damit sie sich „aus dem Schock herausredet“. Als Thema bieten sich je nach Alter Schule bzw. Arbeit an.

Defibrillator: Beatmung/Herz-Lungen-Massage muss weiter gemacht werden, nur zusätzliche Personen können loslaufen, um das Gerät zu holen. Aufklappen, Anmachen und den Anweisungen folgen. Das Gerät analysiert von selbst, ob es nötig ist oder nicht. Ggf. bei starker Brustbehaarung den beigepackten Rasierer nutzen, damit die Aufkleber Hautkontakt haben.

Ruft die Retter, habt keine Angst, sie werden euch nicht wegen Lappalien ausschimpfen, sie werden nach Einsatz bezahlt. Als Laie kann man die Gefahr nicht akkurat einschätzen. Die Personen, die euch unter 112 antworten, sind diejenigen die einschätzen, wer rausgeschickt wird. Wenn ihr für jemanden eine Aufsichtspflicht habt (Kinder, Senioren), dürft ihr diese Person im Notfall sowieso nicht transportieren, denn eure Sorge macht euch zur Gefahr im Straßenverkehr!

Allgemein gilt: das eigene Wissen am Besten nach einigen Jahren auffrischen, denn erstens mach Übung sicherer und zweitens ändern sich Vorschriften und Regeln gerne mal. Bei mir galt im Erste-Hilfe-Kurs zum Führerschein vor 10 Jahren noch so eine obskure Finger-Regel zum Auffinden des richtigen Ansatzbereiches für die Herz-Lungen-Massage. Laut Ausbilder könnte es sein, dass in einigen Jahren das amerikanische Vorbild übernommen wird, wodurch die Beatmung komplett wegfällt, da die Massage die Lunge mitbearbeitet und sich Viele  vor dem Mund-zu-Mund scheuen.

 

 

 

 

Über Sandra

In diesem Blog halte ich Fundstücke rund um Bauchtanz, Tanz, Bühne, Choreografie, Improvisation und Kreativität fest. Außerdem gibt es Berichte und Gedanken zu den Fortbildungen, die ich mitmache.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Off Topic, Unterrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Erste Hilfe

  1. Seiser Peter sagt:

    Hallo an Alle !
    Ich finde diesen Beitrag vom Grund her sehr positiv, da es sicher nicht von der Hand zu weisen ist, dass tanzen auch Gefahren birgt. Ich war heuer nun 41 Jahre im Gesundheitsdienst (17 Jahre davon im Notfalldienst im Krankenhaus) und sehe, das der Bedarf an Ersthilfe gegeben ist.
    Mir ist es allerdings ein großes Anliegen, dass uns die EU Dinge vorschreibt, die lange ignoriert werden und nur belächelt werden, aber im Rahmen der freien Künstlervermittlung keine Richtlinien erstellt sind.
    Es sollte nicht sein, das ich (in Österreich), aber auch in Deutschland eine Schule aufmache, Zeugnisse ausstelle und keine Ahnung habe.
    Auch Erste Hilfe soll nicht der Freiwilligkeit überlassen sein. Gerade beim Tanzen kann es zu Stürzen mit Knochenbrüchen kommen und bei fachgerechter Erster Hilfe kann eine Schmerz Freiheit bis zum und während des Transports in ein Krankenhaus erreicht werden. Dies ist ein Beitrag zur Lebensqualität und sollte eine Minimalforderung sein.
    Erleichtern kann man diese Forderung, durch die Einrichtung von gezielten Kursen mit Schwerpunkt, in unserem Fall Tanz-Unfälle, aber auch andere Schwerpunkte erscheinen mir denkbar und sinnvoll.
    Schöne Grüße aus Österreich Peter SEISER

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.