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Konflikt der Kulturen – Stichwort Zuschauer

In der letzten Woche war eine Show, auf die ich mich lange gefreut hatte: erst eine Wiederaufführung des Tanztheaterstücks „Don’t climb the pyramids“ mit sehr guten Tänzern unter Raksans Anleitung, dann Delanna (Generalprobe für ihren Auftritt bei der Moskauer Tanzolympiade?) und ihr Ensemble Lazurie, Acapellagruppe Draufsänger, „Iba Mahaila“, Zahra Sabua, zwei begabte Musikstudenten mit Klezmer und abschließend ein wunderbarer langer Auftritt von Raksan. Durchgehend sehr, sehr hochwertige Darbietungen, vom Comedy-Conferencier perfekt moderiert. Insgesamt ein sehr europäischer Abend, auch was den Bauchtanz betrifft. Das Ganze war eine Benefinzgala für ein Projekt am örtlichen Klinikum, veranstaltet von einer daran beteiligten Oberärztin. Der Saal war ausverkauft und zum Großteil mit Nicht-Bauchtanz-Besuchern belegt.

Ich hatte den Eindruck, dass da zwei Kulturen aufeinander prallten: europäisch und „orientalisch“ geprägte Zuschauer – auf der Bühne funktionierte der Mix aus Modern-Oriental-Zeitgenössisch sehr gut, keine Frage. Aber jedes Mal, wenn ich wie gewohnt die Bauchtänzer mit Klatschen und Jubelrufen anfeuerte, zuckte vor mir eine ältere Dame demonstrativ zusammen und drehte sich mit empöhrt-strafendem Blick zu mir um, während ich mit einem „ja, so macht man das“-Blick antwortete… Ich bin ja ein netter Mensch und habe nach der Pause mit meiner Begleitung Plätze getauscht, wenn die Dame vor mit Gehörprobleme hat, kann man ja Rücksicht nehmen. Ich saß dann links von ihrem Begleiter, der sich vor der Pause noch nicht an mir gestört hatte, sich dann aber regelmäßig seiner Partnerin zum synchronen Zusammenzucken anschloss, grrrf!

Die beiden hatten offensichtlich eine andere Prägung als ich… In europäischen Konzerten und Theaterstücken ist es – soweit ich es mitbekommen habe – üblich, den Künstler konzentriert sein in monatelagner Arbeit einstudiertes Kunstwerk vollenden zu lassen ohne ihn zu stören oder die Mitzuschauer in ihrem Kunstgenuss zu unterbrechen. Dann wird nach Beendigung höflich, flott-höflich oder bei echter Begeisterung auch stehend applaudiert. Ich komme da eher vom Standpunkt des gebildeten Zuschauers nach orientalischem Begriff (wiederum: soweit ich das verstanden habe): Es ist die Aufgabe des Zuschauers, den Tänzern oder Musikern zu zeigen, wenn etwas gefällt, wenn man zu schätzen weiß, was sie gerade gemacht haben und so zu neuen Großtaten anzufeuern. Gerade, wenn die Musik nicht vom Band kommt und die Tänzerin keine Choreografie tanzt, ist dieser funktionierende Dialog zwischen Bühne und Publikum erwünscht. Dass eine Bauchtänzerin mit ihrem Publikum kommuniziert, ist mMn eine Besonderheit des orientalischen Tanzes. Im Kern seiner Tradition ist Bauchtanz eine Improvisationskunst, wie auch live spielende Musiker mit der Tänzerin improvisieren und so im Augenblick ein Kunstwerk für und mit dem Publikum erschaffen. In „The Voice of Egypt“, einem Buch über Oum Kulthoum und ihre Musik, las ich, ihre Lieder hätten in Aufnahmen um 20 Minuten gedauert, in Konzerten aber meist über eine Stunde. Denn das Publikum unterbrach das Lied durch seinen Jubel und forderte immer wieder eine Wiederholung einer besonderen Passage – und es war an der Sängerin, diesen Wünschen nachzukommen und durch immer neue Variationen und Interpretation derselben Passage ihre Kunstfertigkeit zu beweisen. Das Publikum war für die Sängerin so wichtig, dass sie selbst für Studioaufnahmen mindestens eine Handvoll Zuschauer brauchte, um sich wohlzufühlen. Darin war sie nicht die Einzige.

Zurück zur Show:  Ja, ich habe während des Theaterstücks nicht applaudiert, erst zur Verneigung, fühlte sich auch für mich irgendwie deplatziert an. So europäisch geprägt bin ich denn doch. Nach dem Theaterstück hatte ich eine Menge Fragezeichen.Ich war leicht enttäuscht, weil ich das Gefühl hatte, nicht so recht „in das Stück“ gekommen zu sein, gerade nach der ersten Szene hatte ich viel nicht einordnen und gefühlsmäßig verstehen können. Ich war latent irritiert und irgendwie von mir selbst enttäuscht, freute mich aber an den Szenen, die ich verstanden hatte, deren Sinn ich erkannt und Ausführung ich bewundert hatte. Ich hätte mir mehr Informationen zu den anderen Szenen gewünscht. Als ich dann am nächsten Tag mit einer der Tänzerinnen zum Workshop fuhr, erfuhr ich von ihr manches, was das Gesehene erklärte. Sie sagte mir auch, dass bei der Premiere im letzten Jahr nach dem Theaterstück kein weiteres Programm, sondern ein Gespräch mit der Regisseurin/Choreografin Raksan stattgefunden hätte, worin einiges erklärt und Fragen gestellt werden konnten. Ansonsten sei es aber erwünscht, den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen, er soll bewusst eigene Interpretationen entwickeln und bei Tanztheateraufführungen sei es üblich, sich in der Pause mit anderen Zuschauern über die persönlichen Assoziationen zu unterhalten.

Tja, da kann man mal sehen, dass ich zum ersten Mal ein reines Tanztheater live gesehen habe (das HeimArt-Projekt zähle ich jetzt mal nicht, da war ich von der Seitenlinie aus involviert). Ich hab wie immer die Pause genutzt, um alten Bekannten Hallo zu sagen (ihr wisst schon, „oh dich kenne ich doch von Workshop XY, tanzt du noch bei Lehrerin Soundso, Nein ich konzentriere mich momentan auf XY), auf das Ende der Kloschlange zu warten und mir ein neues Getränk zu holen, dann war die kurze Pause auch schon um.

Es war eine lange Show, nicht nur das Tanztheater, auch die sehr ausdrucksstarken Tanzeinlagen und das innere sich Umstellen bei den sehr unterschiedlichen Darbietungen haben sehr, sehr viel Aufmerksamkeit gefordert. Ich war vorher schon nach mental anstrengender Computerarbeit, ultrakurzem Pit Stop zuhause und anstrengender Fahrt zur Show nicht mehr ganz taufrisch – nach der ersten Hälfte der Show war ich hundemüde wie sonst nie.

Langer Rede kurzer Sinn: Neuen Publikumskreisen Bauchtanz als hochwertige Tanzkunst vorzustellen, kann seine Tücken haben. Das Aufeinanderprallen gegensätzlich erzogener Zuschauertypen mit ihren Erwartungen und Rezeptionsgewohnheiten. Die Gewohnheiten der Tänzer in Bezug auf Publikumsreaktionen. Das alte Publikum weiterhin abzuholen, das neue für sich zu gewinnen – ich würde sagen, das fügt dem alten „Kunst versus Unterhaltung“-Spagat noch eine weitere Ebene hinzu. Ich persönlich hätte mich zwischen dieser Abfolge von 5-Sterne-Genuss-Feuerwerken ein paar ruhigere Momente mit Hausmannskost gewünscht, um die vielen Highlights besser genießen zu können.

 

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TAI TOOLs – ein Jahr danach

Neulich traf ich eine Mit-Teilnehmerin vom TOOLs wieder, sie fragte: „Tanzt du jetzt mehr? Das hattest du doch beim TOOLs gesagt, dass du es das tun wolltest.“ Ömmm, nun ja – jein.

Ja, ich tanze mehr – aber weniger wäre auch nicht möglich gewesen, da ich zu der Zeit fast nur noch Crosstraining gemacht hatte. Ich tanze also mehr als vor einem Jahr. Aber das ist für mich gar nicht der Punkt: Ich tanze anders. Aus relativ statisch-striktem, perfektionistischem Techniktraining ist freies Tanzen geworden. Ich leg mir jetzt öfters mal eine CD ein und tanze einfach los. Notier zwischendurch eine Idee oder Kombination, mit der ich dann weiter spiele oder stoße auf ein Konzept, dass ich dann aufgreife, z. B. Spaß mit Hagalla (vorwärts, rückwärts, seitwärts, Schritte mit und ohne Hagalla). Manchmal lege ich während irgendwelcher Tätigkeiten los und tanze ein paar Minuten durch die Wohnung, manchmal wird aus „nur mal eben diese eine Sache näher betrachten“ ein anderhalbstündiges, vergleichsweise systematisches Training. Ungeplant, forschend, Ideen sammelnd.

Häufig hat das mit Unterrichtsvorbereitung zu tun, die Zeit und Energie, die ich derzeit für meine persönliche tänzerische Entwicklung aufwenden kann, ist kaum vorhanden. Ist aber auch eine Frage der Prioritäten. Es ist mir wichtiger, als samstägliches Wochenendanfangsritual Spazier-Joggen zu gehen, dabei im frischen Wind meinen Kopf frei zu bekommen und die Gedanken schweifen zu lassen, als diese Zeit und Energie für ein persönliches Tanztraining zum Verfolgen meiner langfristigen Ziele zu nutzen. Die aktuelle Prioritäten sind 1. Geld verdienen/Existenz sichern und das neu gegründete Geschäft voranbringen (inkl. Kursvorbereitungen), 2. Stressmanagement, 3. Bauchtanz, der über Stressmanagement hinaus geht, ab 4: alles andere.

TOOLs im vergangenen Frühjahr war für mich der Samen für eine wichtige und gute Entwicklung als Lehrerin, Tänzerin und Mensch, die sich dann vor allem ab November gezeigt hat: weg von Freizeitstress und Leistungsmotiv, hin zu Gefühl und Entspannung. Ich habe wieder Freude am Tanzen zuhause – das ist für mich das größte Geschenk dieser Entwicklung. Ich habe auch einen ganzen Kasten an Werkzeugen und Ideen bekommen, die ich erarbeiten und Nutzen kann, die mich wiederum auf neue Wege und zu neuen Themen führen. Weg von Leistungsantrieb und Perfektion hin zu Mitgefühl, Körperfühlen, In-sich-versunken-sein, Tanzgenuss. Weg von Plänen und Choreografie hin zu Ausprobieren, Entdecken, Improvisieren.

Im vergangenen Jahr trafen TOOLs und die Inspirationen von den Kollegen im Entspannungszentrum aufeinander und haben mir viele neue Impulse gegeben, gleichzeitig hatte ich die Möglichkeiten und Mittel, diese auszugreifen und anzutesten. Nicht ohne Rückschläge oder Fehlschläge, aber spannend, neu, entspannend, wohltuend.

Ich freue mich auf den TAI-Workshop am ersten Mai, bin mal gespannt, was für neue Impulse mir das geben wird.

 

Mehr zu TAI TOOLs, TAI und Raksan

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Bauchtanz und Bauch – Stichwort Übergewicht

Ist euch das auch aufgefallen? Seit einigen Jahren sieht man auf den wichtigeren Festivals und bei den größeren Shows fast ausschließlich Bauchtänzerinnen mit perfekter Figur. Als wäre gute Tänzerin=schlank ein Grundgesetz. Ich persönlich habe den Eindruck, dass hier Bellydance Superstars und Co. einen Einfluss hatten und zwar auf mehreren Ebenen.

Um bei den Superstars zu bleiben: die wurden bewusst nicht nur nach Können gecastet, sie sollten auch ein einheitliches Bild nach amerikanischem Geschmack bilden. [Ich hab mich mit der Gruppe in meiner Diplomarbeit zu Markenmanagement im Kulturbereich mehrere Monate lang auseinandergesetzt und mich auf die Spur ihres Erfolges begeben – sehr spannend! Sollte Interesse bestehen, schick ichs gerne per Email raus.] Also Faktor 1: Sehgewohnheiten des Publikums und Marketingentscheidungen, um ein WOW-Erlebnis zu bieten, das dem alltäglichen enthoben ist. Faktor 2: professionelle Tänzer trainieren viel und verbrennen dabei kräftig Kalorien, bauen gleichzeitig Muskulatur auf.

Soweit so gut. Aber wenn gute Tänzerin = schlanke Tänzerin zum ehernen Gesetz wird, dann gilt gleichzeitig dicke Tänzerin = schlechte Tänzerin – und spätestens dann steig ich auf die Barrikaden. Denn das hieße: weil ich 40 Kilo zuviel wiege bin ich eine schlechte Tänzerin. Scheißegal, dass ich seit 18 Jahren lerne und 5-10 Stunden pro Woche auf die eine oder andere Weise trainiere.

Es ist gerade diese sehr vereinfachende Formel, die mich aufregt: Kalorienzufuhr – Sport = Figur. Oder auf Tanz übertragen: Essen – Tanztraining = Figur.  Solche Botschaften regnen täglich über Fernsehen, Zeitschriften oder Stammtisch-Runden in unsere Ohren und Gehirne – aber sie stimmen nicht. Sie sind verlockend einfach, zeigen uns eine Weltordnung, die beherrschbar scheint – aber stammen oft genug von Leuten, die unser Geld wollen, von Diätmittelchen bis Starkult.

Diese Botschaften sagen im zweiten Schritt: dick = faul & undiszipliniert. Dagegen habe ich in Ernährungsberatungen und entsprechenden betreuten Online-Foren festgestellt, dass sich erschreckend viele adipöse Frauen auf ihr Gewicht hochgehungert haben, sehr genau ihr Essverhalten analysieren und kontrollieren und sehr genau über Ernährung Bescheid wissen. Auch die von mir angeleitete „Fit in XXL“-Gruppe demonstrierte das. Ein Gewicht im dreistelligen Bereich kommt nicht mal eben über Nacht.  Die Betroffenen sind nicht eines Morgens aufgewacht und plötzlich war es da. Sie haben jahrelang den Zeiger ihrer Waage bei seiner Reise nach oben beobachtet, mit wachsender Sorge, und haben Vieles ausprobiert, um ihn aufzuhalten.

Das Leben ist nicht so einfach, wie man es uns gerne weismachen möchte.

Es spielen viele weitere Faktoren eine Rolle: Stress (Arbeit oder privates Umfeld, Angst, Depression und andere als Stresserzeuger), medizinische Faktoren (Krankheiten, resultierende Stoffwechselprobleme), Veranlagung und Biografie, und sicher noch einige mehr. Die reine Information, was denn nun gute Ernährung sei, ist heutzutage leicht zu erhalten und selbst Kalorienzählen ist dank Apps und Co. superleicht geworden. Aber herauszufinden, wodurch das eigene Übergewicht entstanden ist und Strategien zu entwickeln, die im individuellen Fall helfen, ist eine komplexe Spurensuche.

Abnehmen mit Akkupunktur, mit Hypnose, mit Abnehmgruppe, mit diversen Mittelchen, mit Kalorienzählen oder Punkten – es gibt viele Wege und was für den einen funktioniert, klappt nicht zwingend beim anderen. Mir persönlich helfen Monatsverhaben (März: mehr Trinken, Februar: mehr frisches Gemüse) und „Abnehmen durch Atmen“ (Cortisolabbau durch Atemübungen, Lachyoga), mich gesünder zu verhalten und auch in heftigen Stresszeiten nicht zu halten.

In „The Fat Chick Works Out“ (SEHR empfehlenswertes Buch für alle, die mehr sportliche Bewegung in ihr Leben bringen wollen) wird eine Meta-Studie zitiert, wonach auch in Projekten mit langfristiger medizinischer und psychologischer Begleitung und Überwachung es nur 5% der adipösen Teilnehmer schaffen, mehr als 20% ihres Übergewichts zu verlieren. Lasst euch das auf der Zunge zergehen: trotz Rundum-Begleitung, trotz Überwachung, nur 5% der Teilnehmer, 20% des Übergewichts.

Um nochmal zum Anfang zurück zu kehren: Auch ich kann den Spruch „Bauchtanz? Aber dafür braucht man doch einen Bauch“ nicht mehr hören. Auch ich bin ein Kind meiner Zeit und finde den nackten Bauch einer „Normal“gewichtigen ästhetischer als den einer stark Übergewichtigen – oder stark Untergewichtigen. Und als Leser dieses Blogs kennt ihr meine Ansichten zu Qualität und Bühne.

Aber: Ich freue mich, wenn ich eine Bauchtänzerin erlebe, die keine perfekte Figur hat und mich als Tänzerin begeistert, mitreißt, unterhält. Denn sie repräsentiert Menschen wie mich, die keine perfekte Figur haben, aber diesen Tanz lieben. Bauchtanz ist kein Tanz für wenige Auserwählte und perfekte Fabelwesen, es ist ein Tanz für Menschen, für alle Menschen.

 

 

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5 Grundlagen Improvisation – BellyDance Geek

Ich hab auf der Bellyscience-Facebookseite neulich den Hörbeitrag „5 Foundations of Improvisation“ vom Bellydance Geek geteilt. Hier die Zusammenfassung für alle, die gesprochenes Fachenglisch nicht so gut verstehen:

1. Die Fähigkeit, Bewegungen abzurufen

Hier geht es um die „mir fällt nichts mehr ein“-Panik während  eines Impro-Auftrittes. Hierzu hat Nadira Jamal zwei grundlegende Tipps:

– Freunde dich mit deinen Lieblingsbewegungen an. Die Bewegungen, die dir als erstes einfallen, die man beiseite drängt, um sich nicht ständig zu wiederholen… Identifiziere sie und probiere, sie auf möglichst viele Arten zu variieren, sorge dafür, dass sie großartig an dir aussehen. Da sie dir als erstes Einfallen, mach sie dir zu deinem sicheren Hafen, durch die Variationen kannst du sie länger tanzen, bis der „Hilfe, was jetzt?!“-Moment vorüber ist.

– Organisiere deinen Bewegungsfundus in Kategorien, z. B. anhand einer Mindmap, z. B. nach Bewegungsform (Kreise, Akzente, Brustkorb/Becken, Schritte… in ATS: Hip Bump-Familie, Arabic-Familie…) oder nach Bewegungsqualität (=Musikinterpretation!) (knackig, erdig, elegant, aufwärts/abwärts, zitternd, geschmeidig, Unterwasser-Qualität)

 

2. Struktur

„Gib deinem Publikum die Möglichkeit, dem Weg deiner Gedanken zu folgen.“ Mit zu viel Bewegungsinhalt (Layerings, immer sofort Variationen und Abwechselung, ständig neue Ausrichtungen) kann man das Publikum überfordern. Da hilft Wiederholung, der jedoch die Angst, sich zu viel zu wiederholen gegenüber steht. Nadira empfiehlt die altbekannte „Regel der 4“: Beim ersten Mal ist das Publikum überrascht, beim dritten Mal fängt es an, sie zu erkennen und erst beim vierten Mal verstehen sie, was vor sich geht.

Diese Angst vor Langeweile – man selbst kennt die Bewegungen in- und auswendig, doch für das Publikum sind sie neu – die Unsicherheit wie viel Wiederholung hilfreich und wie viel schon langweilig ist: Nadira empfiehlt, die eigene Langeweile-Empfindungs-Schwelle durch eine Übung herauf zu trainieren. Man tanze eine Bewegung, bis man sie als langweilig empfinde, dann noch 2 Mal. Diese zusätzlichen Male kann man anfangen zu variieren.

Thema und Variation: wiederhole Bewegungskombinatinen, variiere Anfang und Ende, Akzente, Raumausrichtung, die Richtung der Bewegung – ähnlich Strophe und Refrain in einem Lied. Ein Thema immer wieder auftauchen zu lassen, bietet dem Publikum die Sicherheit und Ruhe von etwas Bekanntem, es erneuert die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit der Zuschauer. Variationen sorgen für Abwechselung, dafür, dass es gleichzeitig interessant bleibt.  „Stelle sicher, dass der rote Faden erhalten bleibt“

3. Transitions: Übergänge

Mach dir zunächst die Grundpositionen des Körpers (Füße/Gewicht/Raumausrichtung) bewusst. Letztlich beginnen und enden die meisten Bewegungen in wenigen typischen Grundpositionen: Gewicht auf einem Bein mit flachem Fuß, der andere Fuß auf dem Ballen unbelastet angestellt oder seitlich gestreckt aufgestellt sind zwei solcher Positionen. Ermittle deine Grundpositionen und übe konzentriert die Übergänge zwischen diesen: direkter Weg, ausgeschmückt, mit einer Drehung dazwischen, in verschiedenen Tempos.

„Übergänge helfen dir, während des Moments Entscheidungen zu treffen“: Wohin geht es weiter, was sind End- und Startpunkte einer Bewegungsphrase, welche Optionen habe ich aus einer meiner Grundpositionen heraus? Mach dir eine Liste, welche Bewegungen du aus welcher Grundposition heraus machen kannst, zunächst deine Lieblings- und Sicherer-Hafen-Moves. Dann spiel Ampel: grünes Licht/rotes Licht – plötzlicher Stopp und weiter tanzen aus der eingenommenen Position.

4. Dimension, Textur, Bewegungsqualitäten

Bewegungsqualitäten im Sinne von Laban oder nach eigenen Begriffen sowie der Umgang mit Rhytmus und Geschwindigkeit der Musik fasst Nadira hierin zusammen.

Aufgabe: Spiel mit dem Timing, das die Musik vorgibt. Sei mal gleichmäßig mit dem Puls, dann spiele mit den Taktschlägen. Beispielsweise statt medium-medium-medium-medium kann man aus einem 4/4-Takt auch medium-medium-langsam-schnell machen. Oder extraschnell- extraschnell-laaaaaaangsam. Welche Bewegungen eignen sich für solche Geschwindigkeitswechsel? Ein Beispiel von ihr: auf Chiftetelli nutze sie gerne Bewegungen im Geschwindikeitsmuster von langsam-langsam-schnell-schnell-langsam.

Aufgabe: sortiere dein Bewegungsrepertoire nach Qualitäten und Intentionen, finde eigene Kategorien dafür. Sie nennt als Beispiel ihre eigenen: gooey, bouncy, earthy, bold, locked, sharp… Solche Begriffe haben den Vorteil, dass sie sich 1:1 individuell empfundenen musikalischen Qualitäten zuordnen lassen – sei es spiegelnd oder kontrastierend. Die gefundenen Kategorien können so zur Hilfe beim finden der passenden Bewegung beim Improvisieren werden – wenn man zu solch analytischer Denkweise neigt, was bei mir der Fall ist.

5. Musikalität

Was hörst du und wie vermittelst du das deinem Publikum? Tips: Selektives hören (Instrument, Rhythmus/Puls, Melodie, Gesang) – Aber: übertreib es nicht beim austanzen – „you are a dancer, not a puppet“, also nicht 1:1 das Gehörte nachtanzen, sondern selektiv dazu tanzen. Spiel mit dem 1:1 umsetzen, such dir Akzente oder Melodiesegmente aus und ignoriere andere, triff Akzente oder schaff dir eigene, mach mal Pause und werde dann wieder aktiver – „surf the music!“ und „widerstehe der Versuchung, alle Komponenten der Musik die ganze Zeit über austanzen zu wollen.

Aufgabe: such dir Musik und folge mal der einen, mal der anderen Komponente, spiel mit der Musik wie beschrieben.

Aufgabe: nimm dir wieder ein Musikstück, wähle die Schlaginstrumente und wenige Melodieinstrumente und beschreibe deren Qualität in Metaphern. Welche Bewegungen passen zu den gefundenen Bildern? Tanze diese erst ohne Musik, dann mit.

Den originalen Hörbeitrag findet ihr hier

 

 

 

 

 

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Auf zur Tanzolympiade: „Wir wollen uns messen“

Drei sehr junge Schülerinnen von Delanna bitten um Hilfe:

Die Spendenaktion findet ihr hier: www.visionbakery.com/tanzolympiade

 

Kinder und Bauchtanz – Bauchtanz ist ein sehr weiblicher Tanz, ein Tanz für erwachsene Frauen, voll Sinnlichkeit und Individualität, je nach Temperament und Gelegenheit die volle Palette des Lebens abbildend. Ich war immer der Meinung, dass bauchtanzende Kinder zwar die Bewegungen nachahmen, aber nicht komplett in ihrer Bedeutung verstehen können. Der Meinung bin ich zwar immer noch, aber Delanna hat es wieder geschafft, mir die Augen zu öffnen: Kinder bauchtanzen anders als Jugendliche tanzen anders als junge Erwachsene tanzen anders als junge Mütter tanzen anders als mehrfache Mütter tanzen anders als Frauen, die diese Aufregung erfolgreich hinter sich gebracht haben, tanzen anders als betagte Frauen. Jede Lebensphase hat ihre Qualitäten und Erfahrungen, ihre Vorzüge und Nachteile – aber ist eine davon daher schlechter oder besser und sollte man Frauen (oder Männern!) nur aufgrund ihres Alters oder ihrer Lebensphase das Bauchtanzen verwehren?

Viele Frauen lieben den Bauchtanz, weil er ihnen die Erlaubnis gibt, sich mit ihrem Körper zu beschäftigen, sich zu finden und dadurch Selbstbewusstsein aufzubauen. Na, das haben drei Mädels definitiv, wie ich bei einem Gespräch mit ihnen, ihren Müttern und Delanna feststellen durfte.

Aliah (9) und Erika (9) tanzen als Duo, sie und ihre Mütter kennen sich seit der Krabbelgruppe. Später nahmen ihre Mütter Aygyul und Kristina sie zum eigenen abendlichen Bauchtanzkurs mit, damit die Kleinen nicht alleine zuhause blieben. Die Mädchen schauten erst zu, fingen dann selber an zu tanzen, wollten mehr. Kurs und bitte auch Auftritte als Duo: „Wir wollen zusammen tanzen!“ sagt Erika klipp und klar.

 

Auch Evelins Mutter Elena ist selber bauchtanzbegeistert und hatte bis zur Schwangerschaft lange Zeit Unterricht. Eines Tages hatte Klein-Evelin die alten Videokassetten und CDs entdeckt und angefangen, zuhause herum zu tanzen. „Sie zeigte richtig Lust zu tanzen.“ sagt Elena. Also ab zu Delanna, zunächst im Privatunterricht, bis die Lehrerin überzeugt war, einen Kinderbauchtanzkurs einzurichten. Aber: „Ich merkte, ihr war das zu wenig mit der Gruppe“. Mittlerweile macht Evelin zweimal pro Woche beim Kurs mit und hat zusätzlich eine Privatstunde. Was sie am Bauchtanz am Meisten mag? „Neue Bewegungen zu lernen!“ Und an Auftritten oder der Teilnahme an Wettbewerben? „Die Stimmung und wie das alles da abläuft.“

Ähnlich bei Erika und Aliah – aber 3 Stunden Unterricht pro Woche ist für die bauchtanz-närrischen Mädels anscheinend lange nicht genug. Neulich hätten die Mädchen je 2 Stunden Unterricht am Vormittag gehabt – jeweils Technik alleine und dann eine Stunde gemeinsam. Am Nachmittag trafen sich die Freundinnen – natürlich zum tanzen! Die Mütter staunen: „Aber ihr habt heute schon trainiert“ – „Ja aber wir wollen das!“ tönten die Mädchen dagegen. Die drei dachten sich einen kleinen Tanz aus und zeigten ihn den herbeigerufenen Eltern, „die haben einen coolen Tanz vorgeführt, super gemacht!“

Kids 3

Eine andere Welt

Ich staune – was mir Mädchen und Mütter erzählen, erinnert eher an Szenarien, wie man sie über Ballettschüler hört, die fast täglich und stundenlang trainieren. Völlig anders als das, was man landläufig im Bauchtanz oder gar Kinderbauchtanz vorfindet. Ich höre gleichzeitig Akzent bei den Müttern und frage mal in Erinnerung an die hervorragenden „Deutsch-Russinnen“, die ich in meinen Bauchtanzkursen beobachtet habe, mal nach: Elenas Vater war von Deutschland nach Kasachstan ausgewandert, sie und Kristina sind gebürtige Kasachen. Ayguyl ist Russin und mit einem Deutschen verheiratet. Schnelle Fragen untereinander oder Kommentare von Delanna werden kurz auf russisch ausgetauscht.

Ja, es ist eine andere Mentalität, bestätigen alle Vier: „Entweder du machst was oder nicht, keine halben Wege – und die Eltern zahlen dafür!“ (Ayguyl) und Elena stimmt zu: „Spaß muss sein, aber ich bin mit Disziplin aufgewachsen. Entweder ich mache etwas oder nicht. Wenn ich Zeit und Geld investiere, dann will ich dafür etwas bekommen.“ Deshalb hätten sie sich auch Delanna als Lehrerin ausgesucht, da stimmte die Mischung aus Spaß und Disziplin. Das sei aber nicht mit Zwang zu verwechseln: „Kinder amchen schon deutlich, wenn sie etwas nicht wollen oder keinen Bock mehr haben“ (Ayguyl).  Es gibt aber auch Tage, an denen die Kinder keine Lust haben, an denen die Mütter ans Training erinnern wie sonst an Hausaufgaben. Aber: „Die Kinder haben die Wahl, ob sie weitermachen oder nicht – bisher wollen sie weitermachen.“ (Elena).

Leider ohne Konkurrenz…

Besondere Lust aufs Training macht es, zu Auftritten Kids 1oder Wettbewerben zu fahren, die Aufregung zu erleben, sich auf der Bühne zu zeigen, die Stars Backstage als ganz normale Menschen zu sehen, Erinnerungsfotos zu machen und zu sehen, was denn die anderen so können und machen. Das bringt neue Ideen, die oft mit dem Satz enden: „Das möchte ich auch können, da muss Delanna uns eine Choreografie zu machen!“

Die Mütter sind immer mit von der Partie, auch die Großeltern kommen oft mit. „Allein dabei zu sein ist schon so aufregend!“ (Elena) – „Da sind die Mütter aufgeregter als die Kinder!“ (Ayguyl). Ihre Tocher Evelin habe sie mal gefragt „Und was ist, wenn wir keinen Platz machen?“ – „Das ist piepegal!“, erzählt Elena. Letztlich ginge es darum, einfach dabei zu sein, sich zu zeigen und ja, sich mit den Gleichaltrigen zu verleichen. Aber das ist nicht so einfach: bei der deutschen Meisterschaft startete Evelin ohne Konkurrenz, insgesamt nur eine Handvoll Solisten und eine Gruppe waren in den verschiedenen Kategorien am Start. „Das war für Evelin so frustrierend, so viel zu trainieren und dann alleine zu tanzen!“ (Elena). Beim Bellydancer of the World waren es ein wenig mehr – weil Kinder und fast-Jugendliche in einer Altersgruppe zusammengefasst wurden.

„Die Kinder wollen sehen, was können wir, wie weit sind wir“ (Elena). Ihre Mitbewerberinnen betrachten sie vor allem nach dem Motto „Wie cool – das kann sie, das will ich auch lernen“ (Delanna). Die Konkurrenz bei einer besonders gelungenen Bewegung zu sehen, bereite ihnen keinen missgünstigen Neid, sondern euphorischen Antrieb und Motivation fürs Training.

Auf nach Moskau

Nun soll es zur IDO Tanzolympiade nach Moskau gehenEvelin01 – an etwa 4 von 10 Veranstaltungstagen laufen die Bauchtanz-Wettbewerbe auf dem riesigen Moskauer Messegelände. In den drei Kategorien Show/Fantasy, Folklore und Klassisch werden die Mädchen auf jeweils ca. 80 Mädchen ihrer Altersklasse treffen – Konkurrenz zum sich Messen im Überfluss! Endlich! Paradisische Zustände für die Mädchen und eine Extraportion Aufregung für die begleitenden Mütter…

Dank Kinderstar Anastasya Korobova ist Bauchtanz für Kinder in Russland zum Renner geworden. Bei der Tanzolympiade treffen sich die Tänzer, die sich in ihrem jeweiligen Tanzstil nach Wettbewerben in Stadt-, Bezirks-, Regional-, National- und Europameisterschaften qualifiziert haben – eine riesige Veranstaltung. Die Bauchtanzwettbewebe laufen 4 Tage lang in 5 Hallen parallel fast rund um die Uhr. Die Altersklassen trennen zwischen Kindern bis 11 Jahre, Jugendliche bis 13 und bis 15 Jahren, das gibt einer fairen Bewertung der Mädchen eine gute Grundlage. Aber: Evelin wird diese Jahr 11 Jahre alt, sie wird zum letzten Mal als Kind starten können. Ihre nächste Chance nach 2015 wird erst kommen, wenn Delanna und Mutter Elena sie für bereit halten, als Jugendliche zu starten.

Aliah fasst den Wunsch der Drei zusammen: „Ich möchte zeigen, was ich kann“. Es geht nicht um Sieg oder Platzierung, es geht ums dabei sein, sich zeigen, die Spannung, neue Tänzerinnen sehen und kennenlernen. Evelin nimmt die kommende Aufregung gelassen: „Mal gucken, wie da die Atmosphäre ist und wie es da läuft.“

Spendenaktion: Wir vertreten den deutschen Kinderbauchtanz bei der Olympiade

Auf Visionbakery kamen in einer Woche rund 70% der erbetenen Summe zusammen: Geld für Flug, Anfahrt, und das dank der Ukrainekrise teuer gewordene Visum (85€ p. P.). Die Kosten der begleitenden Eltern odr Ausgaben für Kostüme etc. gehören bewusst nicht zu der erbetenen Summe. Sollte mehr Geld zusammen kommen, soll es für die Übernachtungen und Verpflegung der Mädchen verwendet werden. Auf die Frage, warum man ausgerechnet ihnen Geld für ihre Reise spenden solle, sagt Erika keck: „Wir trainieren viel und da brauchen wir noch Unterstützung.“ Delanna ergänzt mit der Erwachsenenperspektive: „Wir haben lange überlegt, ob wir um Spenden bitten sollen. Aber es geht ja nicht nur um uns, es geht um den Kinderbauchtanz in Deutschland. Moskau ist genau unsere Chance zu zeigen, dass es bauchtanzende Kinder in Deutschland gibt und dass sie so tanzen können. Darüber hinaus haben uns die Spenden total Kraft gegeben. Bisher haben wir uns immer gegenseitig aufgebaut. Als dann die Spenden kamen, vor allem die 300€, das hat uns viel gegeben, das hat gearbeitet – die Menschen glauben an uns. Wir haben keine Angst (vor der Größe und Konkurrenz), wir messen uns, zeigen was wir können.“ Und vertreten Deutschland in Russland – Völkerverständigung mit Bauchtanz.

Zur Spendenaktion1-IMG_8906

Mehr Videos von den Kids

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Übung Musikanalyse und Form

Unglaublich – ich habs getan! YEAH! Ich hab mein Buchprojekt wieder hervorgezogen und die bisher entstandenen Seiten gelesen – war nicht so trocken, wie ich es befürchtet hatte. So mit zeitlichem Abstand alles nochmal zu lesen war eine gute Idee, macht Lust, endlich weiter daran zu werkeln. Was mir allerdings dringend fehlt, sind Visualisierungen und Beispiele zum Thema Struktur, Form, Phrasen, Thema und Variation und im nächsten Kapitel: Dramaturgie.

Da bin ich über ein Lied gestolpert, das sich aufgrund seiner Struktur als Übungsbeispiel ganz gut eignet: Mastom Mastom vom Middle Earth Ensemble, siehe unten. Ich höre deren Musik sehr, sehr gerne: relativ schlicht, oft leicht und beschwingt, extrem tanzbar, meist instrumental – und nach meiner Recherche auch GEMA-frei.

Jetzt meine Frage an die Choreografierenden und Lehrenden unter euch: was haltet ihr von dem von mir verfassten Übungsbeispiel (s. u.). Habt ihr noch Vorschläge, Lieder mit einer interessanten Form/ Aufbau/ Entwicklung?

 

Beispiel und Übung Mastom Mastom:

„„Mastom Mastom“ (Betrunken, betrunken) ist ein Volkslied der Bakhtiari (Iran) mit kurzem Text zum uralten Thema der unmöglichen Liebe, in diesem Fall gespielt vom Middle Earth Ensemble aus San Diego.

There is a newly bloomed flower on a stem; (A)
Neither can I reach it, nor will it fall on its own (B)
I am drunk, drunk, drunk. (C)
Your blade has cut my [something-or-other] (D)
(Übersetzung Shira.net)

Das Lied beginnt direkt mit der Form AB, AB, CD, CD, Wiederholung: AB, AB, CD, CD, dann folgt der erste Melodieteil. Wie geht es weiter? (Gesamtstruktur des Stücks erkennen) [Für alle, die das Lied nicht haben: im Reinhörschnipsel auf Amazon hört man AB CD CD und Beginn Meldodieteil 1]

Hör dir die Liedzeilen A und B mehrmals an, hier bietet sich auch eine Visualisierung an, wie später im Kapitel Musikanalyse beschrieben. Stell dir die Melodie und den Rhytmus als eine sich auf und ab bewegende Linie vor – wie sieht sie aus? Welche Betonungen, Akzente, ruhigere Momente hörst du? Wie fühlt sich dieser Part an, welchen Eindruck hinterlassen A und B bei dir?

Ich höre in A zwei Akzente PAM-Pam (padada) 1 und PAM-Pam (padada) 2, vor dem ersten davon höre ich eine kurze, energiereiche Hinführung. Das erste PAM ist meiner Meinung nach der Höhepunkt dieser Phrase, dann folgen einige Töne, die zur Wiederholung des Höhepunkts hinführen, also zu PAM-Pam 2. Hier würde sich mir eine Wiederholung der Bewegungen auf der anderen Körperseite anbieten – dieser Höhepunkt ist genauso stark, aber als Wiederholung nicht mehr so herausragend im Effekt. In Zeile B vernehme ich zwei Abwärtsmelodien, die Energie ausklingen lassen, die zweite erinnert fast schon an ein musikalisches Fade out. Da AB hiernach wiederholt wird, böte sich mir eine Wiederholung der AB-Phrasen zur anderen Seite an. Wie hast du diese kurze Sequenz gehört? Wie würdest du sie umsetzen?

Wie würdest du mit den Wiederholungen umgehen? Jede Liedzeile wird im Stück insgesamt 12x gespielt – wie stark wirkt die Wiederholung angesichts der Melodieteile?

Spiel in Gedanken Variationsmöglichkeiten durch, z. B. Wiederholung zu einer anderen Raumseite, in einem anderen Körperbereich, mit einem anderen Ausdruck, Formationswechsel etc. Wie viel Wiederholung, wie viel Wiedererkennungseffekt möchtest du für deinen Tanz?

Nun zu den Melodieteilen. Teil 1 ist von einer Geige dominiert, Teil 2 von Gitarre – und Teil 3? Nimm dir jeden Melodieteil einzeln vor und hör, ob es auch innerhalb eines Melodieteils Wiederholungen oder markante Phrasen gibt – finden sich Phrasen aus einem
Melodieteil in einem anderen wieder?
Nun zur Wirkung der Melodieteile: welche Adjektive und Bilder fallen dir zu den einzelnen
Melodieteilen ein? Dasselbe für die Gitarre bzw. die Geige im gesamten Stück. Schreibe getrennt auf und vergleiche die gesammelten Stichworte – erkennst du Unterschiede im Ausdruck in den einzelnen Melodieteilen, eine Entwicklung im Stück oder eine Bezugnahme auf den Inhalt des Texts? Entwickelt sich das Stück, wie fühlt sich das Ende an?
Sammle aufgrund der Stichworte Bewegungen, Posen und Ausdrücke für die einzelnen
Abschnitte des Liedes. Greife die Passagen heraus, untersuche diese auf ihre Form und
ihre Struktur, ihre Höhepunkte, Tiefpunkt und Übergänge. Wende das Bewegungsmaterial
auf die musikalischen Phrasen an und erstelle somit die tänzerischen Phrasen.

Mit diesem Musikbeispiel sind wir schon tief im Thema Musikanalyse angelangt. Es wird
aber auch die Verbindung zwischen musikalischer und tänzerischer Phrase deutlich. Da
hier mit dem Lied eine Vorlage existiert, eine gegebene Struktur, die wir zunächst erkennen wollen, arbeiten wir hier im Schema der Vorstrukturierung.“

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Ein Griff ins Klo…

So fühlte es sich zumindest an… Verdammt, so hilflos und frustriert war ich nach dem Halten einer Stunde schon lange nicht mehr. Es geht um meinen neuen Kurs Bauchtanz-Fitness im örtlichen Sportverein. Letze Woche war dort Schnupperstunde, gekommen waren 9 Frauen, wieder mal entweder U25, sportlich/schwitzwillig, oder Ü40, motiviert/eingerostet.

Mein Ziel: ein Fitnessprogramm, das zwar im moderaten Tempo bleibt, dafür nonstop, also low-impact Fettverbrennungs-Cardio. Sanfter als Zumba, anmutiger als Aerobic. Erst eine oberflächliche Mini-Technikphase, nur das allernötigste, dann Kombinationen, die im Laufe der Stunde komplexer werden, wenige Bewegungen immer neu zusammengesetzt. Da ich nicht 5-6 Stunden Vorbereitungszeit pro ehrenamtlich gehaltener Kursstunde investieren kann, wollte ich diese Kombinationen improvisieren, hatte mir aber eine Zielkombi überlegt und geübt. Ich hatte mir vorbereitend einige Bauchtanzfitness-DVDs von Worlddance New York besorgt (Rezensionen folgen), die mir einige Ideen gegeben haben, was Tempo und Progression betrifft.

Der Raum ist ein großer, länglicher Gymnastikraum, Sporthallenboden, tragbarer CD-Player, an der schmalen Seite stehen die verbliebenen Spiegel der uralten Spiegelwand, die schon meine allerersten Tanzschritte gesehen und wohl den einen oder andern entgleisten Tanzstock ertragen hat. 3 m breit, mit deutlichen Gebrauchsspuren. Für 9 Frauen leider verdammt schmal, die standen in 3-4 Reihen davor und konnten sich nicht richtig sehen, während ich unzufrieden zwischen In-den-Spiegel-schreien und mich-zur-Gruppe-umdrehen pendelte.

Also habe ich die Gruppe umgedreht, nun konnten locker die Tänzerinnen in 2 weiten Reihen Platz finden. Aufgrund der Recheckform des Raumes musste ich dann relativ nah vor ihnen stehen, wodurch die außen Stehenden mich schon nicht mehr von vorne sehen konnten, sondern eher schräg-seitlich. Also wurde ich gefragt, ob ich mich icht umdrehen könne, so dass sie meinen Bewegungen direkt kopierend folgen könnten. Tja, da stand ich dann mit der Nase vor der Ziegelwand ohne einen blassen Schimmer, was die hinter mir denn so treiben… ging auch nicht.

Dadurch, dass ich nah vor diesen Reihen erwartungsvoller, bespaßungsauffordernder Frauen stand, fühlte ich mich in die Position des Inputgebers gedrängt, diese Panik immer mehr machen zu müssen, bloß keine Langeweile. Vor mir: die durchtrainierteste Zumbaveteranin, die mich unentwegt anstarrte. Die Gesichter der anderen: starre Masken. Konzentration? Langeweile? Genervt sein? Aaaargh!!!

Verdammt. In so eine Panik habe ich mich schon lange nicht mehr drängen lassen, Mist!

Ich stand da also, Hamsterrad im Kopf, gleichzeitig Vortanzen, gleichzeitig die nächste Kombination vorbereiten und einleiten, Überblick auf das kommende und vergangene Programm, Blick auf die Teilnehmer, Abschätzen Intensität, die Sorge, sie nicht ausreichend ins schwitzen zu bringen…. da blieb das bewusste Mitzählen und immer dieselbe Anzahl einer Bewegung wiederholen voll auf der Strecke. Was den Teilnehmerinnen – absoluten Bauchtanzanfängerinnen – viel Frust bereitet hat, was wiederum mich verunsichert hat. Aaarrrggh!!!

Die abschließende Feedbackrunde brachte vieles davon zur Sprache, mehr Technik wäre besser gewesen, mehr Wiederholungen, weniger Progression. Mir sank das Herz bis in die Hose. Es haben sich für die beiden Termine bis Ostern dennoch 5 Frauen eingetragen, angesichts 5€ für 2 Termine waren sie gewillt, mir noch eine Chance zu geben. Zum Glück.

Ich ab mich daraufhin noch mal hingesetzt und überlegt: der Anspruch, ein in sich abgeschlossenes Programm von Technik bis komplexere End-Kombi durchzuziehen, das auch für absolute Anfänger machbar ist und meinen Gedankenbildern, wie sportlich ein Fitnessprogramm zu sein hat gerecht zu werden – pffft! Ich werde es jetzt so machen, dass ich das Ganze als längerfristigen Kurs aufbaue, Neueinsteiger nicht jederzeit. Es soll zwar kein Tanzkurs mit Techniktrining werden, aber wenn die Frauen die Basics beherrschen, können sie sich besser entspannen und fühlen sich nicht überfordert. Die Progression von Technik über Prä-Kombis zur End-Kombi werde über mehrere Stunden verteilen. Die eigenen Ansprüche an die Inhaltsmenge herunter zu schrauben wird mir helfen, als Vorturnende mehr Wiederholungen ertragen zu können.

Ich möchte definitiv nicht mit Choreografien arbeiten, aber meine geliebten Improkonzepte in einem Fitnessprogramm anzuwenden, wie soll das funktionieren? Gleiches gilt für den Gebrauch des Spiegels und Gruppenaufstellung in Reihen. Es soll ein Kurs sein für Leute, die ohne viel Nachzudenken oder zu Lernen, sich nonstop bewegen, dabei nett schwitzen und vom Alltag abschalten. Leute, denen Zumba zu schnell ist, die ein gelenkschonenderes Programm suchen, das die Vorteile von Bauchtanz gegenüber Zumba und Aeorbic nutzt.

Ich bin mal gespannt, wie es in der nächsten Stunde so läuft. Glücklicherweise ist vorübergehend der eigentliche Tanzraum nebenan frei geworden: Musikanlage, Parkett, exzellente Spiegelwand an beiden Längsseiten. Drückt mir die Daumen….


Nachtrag: Die richtige Mischung und Intensität zu finden ist keine leichte Aufgabe. Aber zumindest konnte ich in den darauffolgenden Stunden zeigen, wie gut ich normalerweise Stunden anleiten kann 😉

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„Wie findest du meinen Tanz?“

Ebenfalls gestern Abend, gleiches Gespräch: „Wie findest du unseren Tanz?“

Uff. Ich habe vor einigen Jahren die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass es definitiv keine gute Idee ist, direkt nach einer Show spontan auf eine solche Frage zu antworten. Denn als erstes klappt die innere Perfektionistin ihre Liste von mentalen Notizen auf, die von extrem hohen Standards des Perfekten geprägt sind – definitiv nichts, was man nach seinem Auftritt hören möchte!

Man ist noch ganz in dem Bewusstsein, wochen- oder monatelang geprobt zu haben, die Probleme der Proben, die Nervosität vorm Auftritt, das ist alles noch sehr präsent. Man nöchte Lob, Anerkennung, das Wissen, dass sich die Arbeit gelohnt hat, hat keine klaren Gedankenkapazitäten, um sich kritisch mit dem Werk auseiander zusetzen – zumindest geht es mir so.

Es wäre absolut nicht fair, der inneren Perfektionistin freie Bahn zu lassen. Denn was ich für den perfekten Tanz halte, ist geprägt von Auftritten internationaler Stars, von erfahrenen Profis. Solche Maßstäbe möchte ich nicht an Auftritte lokaler Hobby- oder semiprofessioneller Tänzer anlegen.

Davon abgesehen: Tanz ist etwas sehr, sehr subjektives. Jemand, der mit Kopfschmerzen leidend die laute Musik ertragen muss, wird eine andere Meinung haben als Jemand, der sich als Freund der Tänzer mit ihnen freut. Es gibt Lieder, die mir so viel Spaß machen, dass ich auf dem Sitz klatschend und singend mitfeiere, und es gibt Lieder, da muss ich an mich halten, nicht aufzuspringen um Choreografin und/oder DJ zu erwürgen – „Goddess of Moonlight“ wäre ein solcher Kandidat. Wie ich den Tanz dabei wahrnehme, könnt ihr euch denken. Und wie objektiv das Bild in meinen sehr schnell verblassenden Erinnerungen ist, ebenso.

Warum sollte es Jemand interessieren, wie ich einen Tanz finde? Das wichtigste ist doch, dass die Tanzende mit ihrem Auftritt zufrieden ist, dass sie angesichts ihrer Ziele und Hoffnungen, ihrer Widrigkeiten in der Vorbereitung und ihres Könnens zu sich sagen kann „das war gut“ oder „angesichts der Umstände ist es ganz gut gelaufen“ oder wenigstens: „uff, das ist geschafft und keiner hat’s gemerkt“ 😉 .

Die eigene Bewertung ist der Maßstab, der zählt, der motiviert, weiter zu machen. Leider wird dieser Maßstab immer differenzierter, je mehr man lernt, weshalb es für Anfänger einfacher ist, mit sich zufrieden zu sein und danach zunehmend schwieriger… Dunning-Krueger-Effekt halt.

Ja, ich analysiere Tanz und ich mache das zuhause auch sehr gerne – so, wie Leute auf der Autobahn an einem Unfall unwillkürlich langsamer vorüber fahren, weil ihnen ihr Unterbewusstsein sagt: hier hat jemand einen Fehler gemacht, lerne davon. Wenn ich mir bei einer Show einen Auftritt anschaue, sitzt in meinem Hinterkopf besagte Perfektionistin, die mit scharfem Blick streng über ihren Brillenrand guckt und den einen oder anderen bissigen Kommentar fallen lässt – manchmal sehr zu meinem Ärger. Denn Bauchtanz muss nicht formal perfekt sein, denn dann wäre der Tanz unnahbar und kurz vor tot.

Wenn es darum geht, ein Feedback zu erhalten, das man sich in Ruhe anhören, mit den eigenen Gedanken und Maßstäben abgleichen und dann eine kleine Liste von Dingen zusammenstellen kann, die man beim nächsten Mal besser machen möchte – wartet ein paar Wochen und schaut euch den Auftritt auf dem Video an, das hoffentlich jemand für euch gemacht hat. Wenn ihr möchtet, schickt mir den Link und ruft mich an, ich würde mich gerne als Coach zur Verfügung stellen.

Achso, auf die eingang genannte Frage habe ich gestern nicht geantwortet weil in meinem Kopf innere Perfektionistin und die hier beschriebene Perspektive miteinander um eine passende Wortwahl stritten. Angesichts des Levels der Hobbygruppe, des Levels der nicht-hauptberuflichen Lehrerin, die ich nicht näher kenne und der Art der Gruppe und ihrer Probleme, soweit besagte Lehrerin es im selben Gespräch erzählte, denke ich, war es ein zufriedenstellender, schöner Auftritt. Klar, hätte hier und da was besser sein können, aber das denkt man doch immer und der Auftritt passte sehr gut in den Rahmen der Show. Mir gefiel die feine Gestik der Lehrerin und die wirkungsvoll gentzten Kaskadeneffekte.

 

 

 

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Warnung vor dem Hunde: Ich beiße nicht

Gestern Abend traf ich auf zwei Vertreter einer mir größtenteils unbekannten Spezies: Leser dieses Blogs (btw: es gibt hier eine Kommentarfunktion, ich würde mich freuen, von euch zu hören). Eine der Beiden fragte mit ehrfurchtsvoll großen Augen „du bist doch die mit dem Blog“, als sei ich Gott weiß was für eine Bauchtanz-Koryphäe, die man besser auf ein Podest stellt und aus sicherer Entfernung betrachtet. Vielleicht übertriebe ich hier gerade, aber ich fühlte mich schon ziemlich überrumpelt und überhöht.

Ich bin einfach nur jemand, die vor 18 Jahren angefangen hat, Bauchtanz zu lernen. Ein wissbegieriger Mensch, der während der Studentenzeit wegen gesundheitlicher Einschränkungen nur sehr wenig tanzen konnte und sich daher lesend und Videos schauend eingehend mit dem Tanz an sich und verbundenen Themen auseinander gesetzt hat. Wenn ich hier etwas schreibe, dann nicht als Mittel zur Selbstdarstellung – auch wenn ich mich über Lob und Anerkennung freue -, sondern um meine Fundstücke und Gedanken mit euch zu teilen. Oftmals ist es gerade das Schreiben, das mich dazu zwingt, meine wirren Ideen zu sortieren und zu erforschen. Ich hoffe, dass das, was ich  hier mit euch teile, euch Anregungen gibt, vielleicht auf bereits bei euch laufenden Gedanken stößt und euch neue Impulse gibt. Wenn ja, schreibt mir gerne einen Kommentar, dann können wir aus diesem Monolog einen Dialog machen – ich würde mich freuen!

Been there, done that: bei meinem ersten Auftritt in der firsch eingeweihten örtlichen Sporthalle

Been there, done that: bei meinem ersten Auftritt in der frisch eingeweihten örtlichen Sporthalle

Im Großen und Ganzen, denke ich, sind wir alle Suchende und Reisende im Tanz. Je nach dem, wer man selber ist, wen man trifft, von wem man lernt, wird sich die eigene Reiseroute entwickeln. So hat jeder seine individuelle Reise, seine eigenen Lern-Aufgaben im Tanz und im Leben, was dann wiederum den Tanz beeinflusst. Mit Themen wie Musik, Rhythmen, Choreografie, Stock/Schleier/Zimbeln u. ä. haben wir zwar sowas wie Sehenswürdigkeiten auf dieser Reise, die wir alle uns mal anschauen. Aber weil Tanz etwas ungemein subjektives ist, werden wir sie uns aus unserem ganz persönlichen Blickwinkel heraus betrachten. Wie Sahra Saeeda nach jahrzehntelangem Forschen über den ägyptischen Tanz so schön sagt: „it’s complicated“. Je mehr ich lerne, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass es keine absoluten Wahrheiten gibt und dass hinter jeder Ecke etwas neues zu entdecken gibt.

Ich traf vor einem Jahr meine erste Lehrerin wieder und erzählte ihr begeistert von dem, was ich gerade erlernte und hörte von ihr was im Sinne von „ach ja, das hab ich vor Jahren auch schon mal gemacht“. Ihre Tanzreise hatte lange Jahre vor meiner begonnen, die für mich in der Ausprägung aufregend neue Sehenswürdigkeit war für sie schon ein alter Hut.

Meine Tanzreise hat vor 18 Jahren begonnen. Ich hatte Jahre, in denen ich viel gelernt habe, und Jahre, in denen ich stagnierte. Ich bin keine große Showtänzerin, ich bin eine neugierige Wissenssuchende. Dass ich hier über ein Thema schreibe, heißt nicht, dass ich es im Tanz auch perfekt umsetzen könnte. Aber ich hoffe, dass diese Dinge aus meinem Kopf in meinen Körper und in meinen Tanz sickern.

Also: ich beiße nicht. Wenn das, was ihr hier lest, euch etwas bringt, lasst es mich gerne wissen – das wäre ein schöner Ansporn, hier häufiger zu posten. 😉

 

 

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